Ein ganz normaler bretonischer Novembertag in Lorient.

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Der Tag erwacht in Lorient

Der Tag erwacht langsam über der Hafenstadt Lorient. Am Horizont, ganz weit weg, zeigt die Sonne das sie aufgehen möchte aber unaufhaltsam schiebt sich die dicke Wolkenschicht weiter in Richtung Osten. Der Tag will nicht so richtig erwachen und alles rings um uns herum ist und bleibt in einem traurigen grauen Schatten. Zur einen Seite erhebt sich über zwanzig Meter die Betonwand von Keroman III, grau und abweisend, aber zwischen dem Fangnetz, das abbröckelnden Beton auffangen soll, sprießt es grün heraus. Farne und Moose und ab und an ein zartes Bäumchen betupfen das Bauwerk mit mattem Grün. Auf der anderen Seite der Fischereihafen, geschäftig, beleuchtet, Tag und Nacht, mit vielen Hallen und den Fangschiffen die anscheinend darauf warten auszulaufen. Die Fähren nach Locmiquélic und Port-Louis haben ihren Tagesdienst auch aufgenommen und wir nutzen ihn für für einen kleinen Ausflug rüber nach Port-Louis.

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Kermoran III

Von der Wasserseite haben wir den vollständigen Blick auf Keroman III mit seinen zum Wasser hinweisenden U-Boot Einfahrten die wie drohende Zähne nach Süd-Westen weisen. Direkt daneben schwindet seit all den Jahren ein Schiffswrack das hier vor Toresschluß noch versenkt wurde.

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Villen in Larmor-Plage

Gegenüber in Larmor Plage prunken zwei imposante Villen und blicken herüber, ein krasser Gegensatz!
Nach kurzer Fahrzeit legt die Fähre im Segelhafen von Port-Louis neben der Capitanerie (Hafenbüro oder sagt man jetzt bei uns Port Authority?) an und entlässt die fünf Passagiere, wobei Drei zielstrebig davon eilen und wir uns erst einmal überlegen was wir jetzt machen wollen.

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Alter Kutter in Port-Louis

Wir könnten uns das vorgelagerte Fort, das sicher aus Vauban Zeiten stammt unsicher machen oder wir machen einen Stadtbummel. Grau in Grau liegt alles vor uns und so entschließen wir uns die City unsicher zu machen zumal wir von Kriegsbauten so langsam aber sicher die Nase voll haben, egal wer sie gebaut hat!

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Selten zu finden: Ein Geschäft für Klöppelfans

Es trostlos und trist, nur ein paar Geschäfte haben auf, ein Lebensmittelmarkt, natürlich ein Bäcker und ein Friseur, der Rest ist verrammelt oder leer und es wirkt als wenn die meisten Menschen das Weite gesucht haben.
Die Pfützen auf den Wegen und Plätzen bekommen jetzt auch wieder Nachschub, denn es beginnt zu regnen. Es wird noch grauer obwohl wir dachten das es nicht noch grauer kommen könnte. Nur die paar beleuchteten Schaufenster, ein paar blau, rot oder grün gestrichene Fensterläden, die leuchtend rot-orangenen Schwimmwesten auf den Freizeitbooten und die drei Angestellten, die in der Capitanerie auf bunte Bildschirme blicken, beleben das graue Einerlei. Bunte Tupfer die Hoffnung und Frohsinn ausstrahlen.

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Hardcoresegelboote im alten U-Boothafen

Auf der Fähre auf dem Heimweg erhaschen wir noch einmal einen Blick auf die Cité Eric Taberly, so wird jetzt das U-Bootgelände genannt, in dem die riesigen Trimarane liegen, aber auch gebaut und gewartet werden.

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Unser romantischer Stellplatz

Der Regen wird jetzt richtig unangenehm, der Übergang zwischen Himmel und Wasser ist nicht mehr zu erkennen. Im Fischereihafen herscht ordentlich Betrieb, Gabelstapler scheinen mit Fischkisten um die Wette zu fahren und die Motore der Kutter dröhnen und sagen uns das sie bald auslaufen wollen. In der Mitte des Hafenbeckens schwimmt ein Ponton mit einem Bagger der unaufhörlich den Grund nach Macro Déchet absucht (Schrott und Müll) und pausenlos alte Reifen, Metallteile und Reste von Netzen nach oben befördert, hoffentlich keine Weltkriegsbombe,, aber die sind sicher tief im Schlamm versackt.

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Camaret, Anse de Pen Hat

Die Nacht ist trocken und teilweise sogar klar aber der nächste Morgen beginnt wieder grau und der Regen setzt auch wieder verstärkt ein und begleitet uns auf der Fahrt nach Camaret sur Mér, wird aber immer weniger und wir freuen uns das wir einen ausgiebigen Spaziergang an der Küste machen können. Die Küste Camarets, die typischen und eindrucksvollen, intensive aber harmonischen Farben bei Sonnenschein, sie sind bis auf ein Bruchteil dessen heruntergerechnet, auf ein Minimum der Leuchtkraft bei Sonnenlicht. Nur ab und an grüßt uns eine rosa Strandnelke, eine lila Heide.- oder eine gelbe Raukeblüte, als wenn sie sich in der Jahreszeit vertan haben.
Es beginnt die Zeit eine Kerze im Herzen zu entzünden und die Farbenpracht des eigenen Seins zu entfalten und zu pflegen

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