Friedrichskoog ein Fischerdorf ohne Hafen

Friekoog2011_001

Hafen Friekoog 2011

Hafen Friekoog 2017

Fiedrichskoog, oder auch kurz Friekoog. Es ist ein kleiner Fischerort an der Nordseeküste in Dithmarschen. Wer sich an Seehunden erfreut wird auch sicher einmal etwas von der Seehundaufzuchtsstation gehört haben, ja die ist in Friedrichskoog.
Wir sind wieder einmal in Büsum, Heikes Heimatort und genießen das touristische Treiben. Zum touristischen Treiben gehört auch Radfahren, das kann man hier besonders gut, vielleicht auch weil die höchsten landschaftlichen Erhebungen die Deiche sind, ansonsten ist es hier platt wie auf dem Wasser. Wenn der Wind mit spielt, dann ist Radfahren ein purer Genuß. Ich schwinge mich also auf den Sattel und radel vor dem Deich Richtung Meldorfer Speicherkoog, am Surfrevier am neuen Meldorfer Hafen und dann weiter an der ehemaligen Insel Helmsand vorbei Richtung Friedrichskoog. Hier vor dem Deich treffe ich nur noch auf Schafe, Menschen ist der Weg meist zu weit. Wer die Einsamkeit liebt ist genau hier bestens aufgehoben. Büsum liegt jetzt nordwestlich und schimmert im Morgenlicht. Ein Stück hinter dem Siel „Steertloch“geht es dann einmal quer über die Halbinsel direkt in das Dorf Friedrichskoog.
Als ich zum Hafen komme trifft mich der Schlag, aber eigentlich war ich ja darauf vorbereitet, aber das es jetzt, verzeit mir den Ausdruck, so scheiße aussieht, hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Kein Boot, nicht mal eine Nußschale, keine Menschen, die Werft ist verwaist aber der Hammer ist der Abrißbagger am Siel! Lange haben die Friedrichskooger gegen diese Hafenschließung gekämpft und so wie es aussieht, scheint der Kampf vergebens, aber etwas Hoffnung haben die Friekooger und ich auch noch! Mich hat es fürchterlich aufgeregt das auf Grund der angeblichen Unwirtschaftlichkeit diesem Hafen das Ende gesetzt wurde. Wer sich mit dem Thema weiter auseinandersetzen möchte, der möge sich hier informieren: Deichwelt.

Friekoog2017_012

Der Indoor Fun Wal

Mir treibt es die Tränen in die Augen, denn schon wieder wird ein Stückchen Heimat der angeblichen Wirtschaftlichkeit geopfert. Alte Traditionen verschwinden für immer und statt dessen gibt es einen Wal-Indoorspielplatz in Friedrichskoog! Architektonisch ist das Teil ja ganz witzig, aber statt das die Kinder sich an der frischen Luft bewegen sollen, werden sie in eine riesige Halle gesperrt wo sie „Fun“ haben sollen! Was ich davon halte? Ich sag es lieber nicht. Mal sehen wie lange das Teil wirtschaftlich ist….
Friedrichskoog hat ja aber noch die Seehundaufzuchtstation, die wirklich einen Ausflug wert ist. Einen Ausflug, richtig. Morgens kommen sie in Scharen angebraust und Abends ist der Ort wieder verwaist. Auch nicht so prickelnd finde ich.
Irgendetwas läuft in unserem Schleswig-Holstein bannich verquer. Der Friedrichskooger Hafen wird geschlossen, die Traditionsschiffahrt steht auch, dank unseres Bundesverkehrsministers, durch überzogene Vorschriften auf Messerschneide und um Fehmarn herum soll dem Hochseeangeln der Hals abgedreht werden. Ach ja, dann sind da ja noch die Kiter, die um ihre Reviere bangen müssen! Da geht es dann zwar nicht um die Wirtschaftlichkeit dort schlägt der, in meinen Augen, übertriebene Naturschutz zu. Wir, die Menschen die hier leben, werden einfach über den Schnabel gefahren. Die Wahlversprechungen klingen immer gut, aber danach kommt der große Hammer und alles ist vergessen!

Friekoog2017_011

Die Abrissarbeiten am Siel

Versteht mich nicht verkehrt, ich habe nichts gegen den Umweltschutz, ich bin auch Mitglied bei Greenpeace (jetzt ausgetreten und bei der Deutschen Gesellschft zur Rettung Schiffbrüchiger eingetreten), aber wenn wir als Bürger nicht mehr für voll genommen werden dann stimmt hier eine ganze Menge nicht mehr!
Was bleibt denn noch übrig? Herausgeputzte Touristenorte, Häfen die mit Yachten vollgestopft sind und krampfhafte Versuche der Gemeinden an noch mehr Besucher zu kommen. Die Basis, unserer Heimat, die Traditionen können nicht mehr gelebt werden, sie sterben aus und werden vielleicht noch in Vereinen hoch gehalten.
Dieser ganze Regulierungswahn macht das Leben nicht gerade lebenswerter. vielleicht etwas mehr Selbstverantwortung bitteschön?
Ehrlich gesagt kotzt mich diese Entwicklung richtig an!
Eine sehr interessante Facebookseite mit aktuellen Info’s ist: We love Nordseekrabben und unser Wattenmeer
Bevor ich zum Ende komme habe ich noch eine Sache auf dem Herzen.
Es wird immer sehr gerne gemotzt, gerade in den sozialen Netzwerken wie Facebook. Die Empörung wird allzu gerne geteilt, ohne das sich einer dieser Motzer mit dem Thema richtig auseinandersetzt und nur die Schuld bei den Anderen sucht. Nehmen wir mal die Bauern. Da wird dann gemeckert das sie das Pflanzengift Glyphosat (Roundup, Unkrautex) einsetzten und es wird in großem Stil Tierzucht betrieben um nur zwei Beispiele zu bringen. Warum machen die Landwirte das denn? Sie kämpfen um ihr überleben! Der Preisdruck bestimmt die Wirtschaft! Sie sind nicht der Buhmann das es heute so ist, sondern wir, ja du und ich, denn nur mit unserem Konsumverhalten können wir etwas ändern!
Wenn wir nur „billig und viel“ wollen bitteschön…..

Habt noch einen schönen Tag!

Dieser Beitrag wurde unter Gedanken veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Kommentare zu Friedrichskoog ein Fischerdorf ohne Hafen

  1. Ich habe auf meiner alten Hompage und in unserem neuen Tagebuch noch tolle Fotos von Plakaten die für den Hafen werbung machten.

    https://albert-cattani.ch/201410husum.html -> im unteren Teil des Berichts

    https://albert-cattani.ch/blog/friedrichskoog-kmpft-gegen-die-landesregierung

    Ich kann mich gut erinnern, ein Arbeiter hat mir mit Tränen in den Augen berichtet das hier seine und vielen anderen die Existenz zerstört wird. Das hat uns sehr berührt.
    Für uns unverständlich mit welcher Arroganz Politiker solche entscheide fällen.

    • Hans-Herbert Kahl sagt:

      Vielen Dank für die Links und ich bitte um Entschuldigung das ich den Kommentar erst heute frei schalte. Normalerweise bekomme ich bei neuen Kommentaren Bescheid, das hat diesmal nicht geklappt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.