Gold die Zweite

Im ersten Beitrag zum Thema Gold in Rodalquilar war ich auf die Verarbeitungsanlage Planta Denver eingegangen. Jetzt ziehen wir etwas weiter über eine staubige Piste und ergründen das Hinterland. Der große Regen um Weihnachten herum, hat auch hier heftige Spuren hinterlassen. Die eigentlich gut befahrbare Piste ist im ersten Bereich wirklich gut, dann aber ist sie durch die Regenmassen, die irgendwie immer den Weg zum Meer suchen, stellenweise über einen halben Meter ausgewaschen. Überall sind Felsen herabgestürzt und an einem Teil der Piste fehlt ein ganzes Viertel. Es ist sowieso viel schöner hier zu wandern als zu fahren. Überall sieht man Stolleneingänge in den Bergen, alte wahrscheinlich, denn sie sind recht klein, Ruinen von Gebäuden, Brunnenschächte und viele Wege die teilweise abrupt enden.
Ganz anders sieht es aus, wenn man von der Hauptpiste abbiegt und schnurgerade auf das Hauptabbaugebiet zu geht. Der Mensch hat sich hier mit seinen Maschinen eine Schneise in den Berg gefressen. Man hat sich in der modernen Welt wohl nicht mehr mit Schächten abgegeben, sondern einfach gleich alles abgebaut und zur Planta Denver Anlage, zur weiteren Verarbeitung, gefahren. Die Schächte aus alter Zeit klaffen wie leblose Augen aus dem Fels. Wenn man in den Hauptschacht hinein geht wird einem das ganze Ausmaß der früheren Buddelei gewahr. Es sind weitere Schächte in verschiedenen Ebenen angeordnet und vor mir tun sich elendig tiefe Löcher auf die ins Dunkel steil abwärts führen. Weit rein traue ich mich nicht, das spare ich mir für die Zukunft auf.
Hält man sich weiter rechts und geht den seitlichen Weg weiter, trifft man auf einen 250 Meter langen Tunnel, der mitten durch den Berg führt. Auf der anderen Seite ist ein Geröllfeld vom Abbau, keine Straße kein Nichts, was der Tunnel für einen Zweck haben sollte erschließt sich mir nicht, zumal er befahrbar ist. In dem Tunnel liegen Massen von Plastiksäcken mit Gesteinsmehl, Rainer meint das wären Bohrproben, weil die Tüten allesamt sorgsam beschriftet sind. Dann gibt es noch eine Etage höher das „Loch“, wie ich es nenne. Ich habe es gesehen als ich von oben den Weg herunter kam. Es ist mindestens dreißig Meter Tief und hat einen Durchmesser von vielleicht Zweihundert Metern. Von ihm gehen auch wieder Schächte ab, die aber meist verrammelt sind. Später entdecke ich noch einen Tunnel der in das Loch geht, auch befahrbar. Wie um Himmels Willen bekommt man solch ein Loch im Fels gebuddelt? Die Wände gehen steil neunzig Grad in die Höhe.

Ist es nicht erstaunlich zu was die Menschen fähig sind? Ich will das jetzt nicht verurteilen, da ich auch in diesem Räderwerk mit verschmolzen bin. Ich habe zwar keinen einzigen Klumpen Gold, aber in diesem Notebook, was ich jetzt bediene, ist Gold für die feinsten Leiterbahnen in den Microchips verarbeitet. Nachdenklich macht es mich aber auch.

Auf jeden Fall bin ich, wenn ich in Rodalquilar bin, im Rausch, nicht im Goldrausch, sondern im Rausch der menschlichen Vergangenheit, im Rausch der Berge und der Mineralien, der Farben und des Duftes der Kräuter.

Rodalquilar hat etwas magisches, ob es etwas ist das vom vulkanischen Ursprung her stammt weiß ich nicht, ist letztendlich auch egal. Auf jeden Fall hatten wir ein paar tolle Tage mit unseren neuen Freunden hier oben.

Dieser Beitrag wurde unter Spanien 2017 abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.