Neue Wege entdecken

Orgiva und die Schneegipfel der Sierra Nevada

Ich bin ja immer auf der Suche nach neuen Wegen, Wege die auf keiner Karte vorhanden sind, die man aber auf Google Earth entdecken kann.

Aragonit (ein Mineral)

Es ist wohl so ein kleiner Entdeckerinstinkt der in mir schlummert und wenn ich es noch mit moderner Technik kombinieren kann ist das richtig rund. Mit Technik meine ich ein GPS Gerät das auch Tracks aufzeichnen kann, was ja heutzutage jedes Smartphone mit entsprechender App im Gepäck hat. Ich benutze dafür allerdings ein Garmin Dakota, da es viel weniger Strom verbraucht. Zu Hause lade ich die Tracks zu OpenStreetMap hoch und vervollständige das zugrunde liegende Kartenmaterial, das übrigens frei zugänglich ist. Hier findet ihr die Route
Seid ihr bereit? Dann kann die Reise ja los gehen, aber vorher möchte ich euch doch noch sagen wohin die kleine Reise geht. Gegenüber vom Campingplatz gibt es den Sendero de los mineros, also den Minenwanderweg und dann zurück über einen hoffentlich auffindbaren Weg herunter zum Stausee Embalse de Rules.
Kurz nach neun breche ich auf und muß ein Stück an der Landstraße entlang gehen, über die Siebenaugenbrücke und durch den kleinen Straßentunnel. Dann aber kann ich über eine Wiese ausweichen und parallel zur Straße laufen bis sich eine tiefe Schlucht links auf tut. Hier geht eine Piste von der Straße ab, die zur Mine herauf führt. Schwere LKW bringen hier Schotterladungen herunter die auf Straßenfähige LKW umgelden werden. Der Wanderweg zweigt von der Umladerampe ab und geht oberhalb der Straße entlang, immer weiter Richtung Süden. Rechts von mir liegt tief unter mir die Straße an einem jähen Abgrund. Viele Pinien begleiten mich hier unten noch, die aber immer weniger werden, je weiter sich der Weg nach oben schlängelt.

Die steile Schotterstrecke

Piste der Minengesellschaft

Minenmonster

Minenmonster mit Traumaussicht

Der Pfad zum Schacht

Ruine der Bergbaugesellschaft

Überall Reste alter Bergbautätigkeiten

Ich bin glücklich!

Das letzte Stück ist nicht einfach zu laufen, es ist in zwei Abschnitten schnurgerade, sehr steil, so das ich auf dem losen Schotter mit den Füßen nur schwer Halt finden kann. Nach zweieinhalb Stunden erreiche ich dann die Minenpiste wieder. Jetzt genieße ich erst einmal in Ruhe den Ausblick auf Orgiva und die Sierra Nevada und stärke mich mit einer Apfelsine. Die Aussicht ist fesselnd, ich könnte hier stundenlang sitzen und schauen, aber mein Ziel liegt ja noch vor mir. Würde ich dem Wanderweg folgen käme ich wieder zu meinem Ausgangspunkt an der Straße zurück. Ich nehme aber die entgegengesetzte Richtung, die weiter bergauf führt. Den ersten Teil kenne ich schon vom letzten Jahr und da sind sie dann ja auch wieder, diese komischen Monsteruntertagemaschinen. Aus einem Schacht kommt auch tatsächlich solch ein Teil heraus geschossen, quasi aus dem Nichts, mit einer Fure voll Schotter, der Fahrer sitzt tief und quer zu dem Gefährt, so kann er in beide Richtungen fahren, denn wenden ist wohl nicht im Stollen. Fluorid wird hier abgebaut und zur Weiterverarbeitung irgendwohin gekarrt. Ich mach mich aus dem Staub, bevor ich von dem Monster noch plattgefahren werde. Weiter geht es an alten Ruinen, Schotterhaufen und halb verfallenen Schächten aus alter Zeit.
Schließlich komme ich an eine Stelle an die ich mich noch erinnern kann, hier geht ein Trampelpfad von der Piste ab, er ist gut begehbar und anscheinend wird er auch ab und an benutzt. Ich freue mich schon etwas noch etwas Neues entdeckt zu haben, denn der Weg ist richtig toll. Er ist schmal, und über mir hängen die fetten Felsen, hoffentlich plumpsen die nicht gerade Heute herunter! aber wie es so ist endet der Weg an einer schmalen Ebene, von der eine alte Mine abgeht. Sie geht schnurgerade in den Berg hinein und man sieht noch das hier mal eine Lorenbahn war. Zu weit hinein gehe ich aber nicht, habe aber Hoffnung das es einen Ausgang auf der anderen Seite des Berges gibt. Wupps ist schon ein weiteres Projekt geboren, aber mein Ziel ist ja ein Anderes heute. Was der Ausgang hier am Steilhang soll verschließt sich mir, da hier nur der schmale Pfad her reicht. Allerdings finde ich auch verrostete Stahltrossen. Vielleicht gab es hier mal eine Seilbahn? Der Trampelpfad geht noch ein Stück weiter, wird aber durch ein fieses steiles Schotterfeld durchbrochen. Mir ist die Sache nicht geheuer, nachher geht es abwärts mit mir in das Barranco del muerto (Schlucht des Todes)! Also geht es wieder zurück zur Piste.
Langsam nähere ich mich dem Abzweigspunkt und ich schaue auf GoogleMaps ob ich noch richtig liege. Ich habe gerade die höchste Stelle mit 1300 Metern erreicht und zum Glück hat man in Spanien fast überall Mobilfunkempfang. Endlich, an einer Wegkehre, wo gerade ein Bohrgerät Mittagspause macht, erreiche ich die abzweigende Piste in das Tal. Ab jetzt geht es wieder bergab, Die Piste verdient eigentlich nicht ihren Namen, denn um sie zu befahren braucht man schon ein sehr gutes Allradfahrzeug. Es geht abwechselnd in dem trockenen Bett, dann wieder am Berghang runter. Ich komme immer weiter nach Westen, also von Orgiva weg, der Weg wird also immer länger…. Die Piste verändert sich jetzt, sie schlängelt sich und verlässt die Schlucht um ostwärts Richtung Orgiva abzubiegen. Es wird wieder waldiger und die Straße zeigt sich auch wieder, tief unter mir. Es ist noch eine ganze Ecke bis ich endlich die Straße erreiche. Ein Stück muß ich ihr folgen um dann einen kleinen steilen Weg zum Ufer des Stausees, Embalse de Rules, einzuschlagen. Ufer ist gut gesagt, das hat sich nach Westen verzogen weil er nur zu 60% gefüllt ist. Jetzt ist der Rückweg eine Lachnummer, ich muß bei El Morreon einmal den Rio Guadalfeo überqueren  und dann sind es nur noch ein paar Kilometer nach Hause. Dieses mal schaffe ich es sogar noch vor Anbruch der Dunkelheit und reichlich kaputt nach den 26 Kilometern zu Hause anzukommen.
Es war wieder eine tolle Wanderung mit phantastischen Bildern hinüber zur Sierra Nevada. Ich werde es nie vergessen!

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