Ostern, Semana Santa in Orgiva

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Die Kirche von Orgiva

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Herr Esel

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Ostertreffen der Bikerszene im El Camping

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Aussicht vom El Castillejo

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Auf dem Weg zum Countryfest

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Countrymusik auf dem LKW

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Es darf getanzt werden!

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Begleiter auf dem Rückweg

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Der blühende Strommast

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Die Orangen vom Ostermontag

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Osterwetter

Jetzt ist es fast wieder auf dem normalen Level nachdem die Spanier ausgiebig der Karwoche und Ostern gehuldigt haben. Allerdings halten sie überhaupt nichts von Ostereiern geschweige denn Osterhasen oder Osterromantik. Statt dessen wird hier ausgiebigst rumgeböllert, angeblich um irgendwelche Winterkobolde zu vertreiben und mit Heiligen und Jesus am Kreuz durch die Gegend geschleppt. Sie sollen etwas ganz besonderes sein, die Prozessionen in Orgiva. Wir verspüren absolut keine Lust uns das Spektakel an zu schauen. Allein der Gedanke an die Böller und die schräge Musik und dann noch die Zipfelmützenmänner die aussehen wie die Typen vom Ku Klux Klan! Nee, da sind wir uns einig und wir verbringen die trubeligen Tage in aller Ruhe. Mit den Nachbarn klönen, spazieren gehen oder einfach die warmen Sonnenstrahlen genießen. Das allerdings nur Vormittags, denn ab Mittag nimmt der Wind zu und der steigert sich manchmal in kleine Sturmböhen.
Mit dem Einkaufen ist es auch so ein Thema da Gründonnerstag und Karfreitag ja Feiertage sind. Jeder sagt etwas anderes, von „An den Tagen haben alle Geschäfte zu“ bist „Alle haben auf“. Genau da zwischen liegt die Wahrheit und man muss es einfach auf sich zu kommen lassen. Nicht einmal die Einheimischen sind sich sicher. Mañana halt.
Das Schlimmste war das der Roller unserer entfernten Nachbarn nicht mehr lief. Er war schon ein paar mal in der Werkstatt aber er wollte immer noch nicht. Schließlich hat Dieter sich selber über ihn her gemacht und als erstes den als Luftfilter dienende Schwamm sauber gemacht. Der Erfolg war brilliant aber der Roller wollte nächsten Tag wieder nicht anspringen! Der Weisheit letzter Schluß ist Alex. Alex ist ein Allerweltskerl und unter anderem spezialisiert auf Rollerschrauben. Wir stehen gerade alle munter beisammen und ratschen als er mit seinem Fahrrad angebrettert kommt. Anscheinend guggen wir alle gleich blöd weil er sofort, als er heruntergesprungen ist, sagte „Das ist die Zukunft!“ Dabei weist er auf sein Zweirad, na ja es ist ein E-Bike, selber zusammengebastelt und der riesige Akku ist mit Schellenband am Rahmen angetüddelt. Er fingert kurz an dem Lenker und der Mittelmotor bringt das Hinterrad zum durchdrehen und es frißt sich, umgeben von einer riesigen Staubwolke die sich langsam in das Vorzelt bewegt, in den Boden ein. Vorführung gelungen. Fast klatschen wir Beifall, aber Bärbels grimmiges Gesicht, wegen der Staubwolke im Vorzelt, lässt unsere Reaktionen etwas zurückhaltender ausfallen. Alex macht sich gleich über den Roller her, greift hinter die Verkleidung, erzählt dabei und nuckelt an einer Unterdruckleitung. Er läuft jetzt, mach ihn mal an! Brrrrrmmm, der Roller schnurrt wie ne Katze und die Umherstehenden schauen verdutzter als zuvor und sichtlich beeindruckt. Alex erzählt noch wieso und warum und zischt mit seinem E-Bike wieder ab. 50 Sachen soll die Kiste laufen und man solle den Motor nur mit einer Fichtel & Sachs 3-Gangschaltung betreiben weil den neueren Schaltungen dreht er wohl das Genick ab. Aha, wieder etwas schlauer und mein Interesse an diesen unterstützenden Vehikeln nimmt wieder zu.
Ja und was gab es sonst noch? Die Hühner legen im Moment schlecht. Das sagt zumindest Angel der Campingplatzbesitzer. Er hat nebenan einen bescheidenen Hühnerstall und wenn das Federvieh willig wäre hätten wir täglich leckere ungestempelte, nicht EU-Konforme Frühstückseier.
Ja und dann war da noch das Countryfest der alternativen Hebammenorganisation „Da a Luz“ in Los Tablones am Rio Guadalfeo, zünftig und natürlich staubig wie im wilden Westen.
Vergessen dürfen wir die Ausstellung heimischer Spezialitäten und Handwerkskunst natürlich nicht. Heike und Lynda müssen da hin und ich bitteschön auch, als Lastesel, versteht sich. Die Damen verschwinden in einem Stand mit Ledersachen und ich schleiche etwas lustlos herum als ein Typ an mir vorbei läuft. Das ist Chris Stewart dachte ich, ich habe ihn einmal in einem Video gesehen und sein freundliches Gesicht kann man nicht vergessen. Chris Stewart ist Buchautor und Gründungsmittglied der Rockgruppe Genesis. Sein erstes Buch „Driving over lemons“ lesen wir jetzt gerade zum dritten mal. Es ist übrigens genial und sehr zu empfehlen. Leichte lustige Lektüre über einen Engländer der sich hier in Orgiva vor vielen Jahren als Schafzüchter auf einem entlegenen Hof niedergelassen hat. Nach gefühlten Stunden, ich habe die Gänge schon x-mal umkreist, sind die beiden Damen aus dem Lederladen wieder aufgetaucht und wir schlendern weiter, vorbei an Wurst.-, Schinken und Ziegenkäseständen, Espartograsflechter, Schmuckverkäufer und dem Stand der Bioolivenölkooperative Benizalte. „Look that’s Chris Stewart!“ kreischt Lynda und ich befürchte schon das sie wie Teenies auf ihn zu stürmen. Tatsächlich ist er es auch und wir wechseln ein paar nette Worte mit ihm und er freut sich das er auch in Deutschland eine kleine Fangemeinde hat.
Wir können hier auch die beiden Ölsorten Benizalte und Sortes probieren. Tatsächlich schmecken sie unterschiedlich. Ich dachte immer Öl schmeckt wie Öl, ölig halt.
Am Nachmittag düse ich mit dem Fahrrad und dem Buch „Unter den Olivenbäumen“ noch einmal zur Ausstellung in der Hoffnung das Chris noch da ist, aber leider ist er wohl schon zu Hause. Ich werde mal nach El Valero, seinem Hof wandern, zusammen mit dem Buch. Vielleicht habe ich ja Glück und er schreibt mir etwas herein. Dafür sind die Zigeunerjungen noch da die Orangen verkaufen. 2 Euro der Sack und er landet, schwupps, in meiner Fahrradpacktasche. Jetzt will er mir auch noch einen Sack Zitronen andrehen, auch für 2 Euro. „Ich brauche keinen Sack Zitronen Mann!“ muß ich ihn auf deutsch anblaffen, auch wenn er es nicht versteht. „Was sollen wir mit einem Sack Zitronen wenn wir mindestens noch einen halben Sack voll zu Hause haben!“ Wundert mich das er mir nicht noch einen Sack voller Knoblauch aufschwatzen will, aber Knoblauch ist wohl im Moment nicht!
Ostern war klasse, wir haben viel erlebt und noch mehr gelacht. Übrigens der Zigeunerjunge hat mir doch tatsächlich auch Saftorangen untergejubelt!

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