Das Pipicaca-Projekt

Jeder der auf Campingtour ist kennt das Pipicaca-Problem. Eigentlich ist es von sich aus kein Problem, so lange es nicht irgendwo aufgefangen werden muß. Diejenigen, die auf Campingplätzen verweilen können auf die fest verbauten Örtchen ausweichen. Will man aber mit einem Wohnmobil frei, oder auf Stellplätzen stehen, wird man diese überdachten Einrichtungen in aller Regel vergeblich suchen. Dafür gibt es die mobile, im Fahrzeug fest verbaute Version, das Porta Potti oder auch Chemietoilette, oder wie Werner es passend ausdrückt die Chemiekloake.  Der große Nachteil dieser Klolösung ist, das man alle paar Tage mit seinem Töpfchen eine Entsorgungsstation anfahren muß.

Es gibt aber auch Alternativen die nur nicht so richtig bei den klassichen Wohnmobilisten verbreitet sind. Deswegen hatten wir uns auch kein fest in das Fahrzeug eingebautes Kassettenklo geleistet, weil wir eigentlich etwas anders suchten, es ist bisher also nur eine gewisse „Zwischenlösung“. Und wie es mit Zwischenlösungen oder Provisorien so ist, es bleibt erst einmal so und Jahrein und Jahraus sage ich mir wir müssten mal. 😉
Jetzt habe ich aber eine simple Idee um das Pipicaca Problem wesentlich zu entschärfen. Die nächsten Wochen bleibt es auch eine Idee, aber wenn wir wieder zu Hause sind geht es zur Sache und das alte Portapotti kann endlich raus fliegen. Es wird auch kein großer Aufwand sein, es ist im Grunde ganz einfach. 🙂

Herzchen

Ich bin in einer Zeit aufgewachsen als es noch die berühmt berüchtigten Plumpsklos, die mit dem Herzchen in der Tür gab. Unseres war nur von außen zugänglich und Licht gab es dort auch nicht, brauchte man auch nicht, da es für die Nacht Pischtöpfe gab.
Das Prinzip ist das gleiche, nur das das Pipi vom Caca getrennt aufgefangen wird. Das ist nämlich der entscheidende Unterschied zum herkömmlichen Camping Kassettenklo. Pipi wird in einem Unterflurtank aufgefangen und Caca wandert in einen, mit einem Beutel ausgeschlagenen Eimer. Das war’s auch schon. Die eigentliche Herausforderung ist das Trennen, aber man bekommt solch einen Trennsitz von der Firma Separett. Einen Tank haben wir noch liegen und eine Holzkiste mit einer Entlüftung ist schnell gezimmert.
Lassen wir uns überraschen.

Veröffentlicht unter Bastelecke | 2 Kommentare

An der Barre d’Étel und dann weiter gen Süden

Die Barre d’Étel

Ja, wir sind wieder hier, wie fast jedes Jahr. Dieser Platz macht süchtig, nicht nach mehr, sondern nach weniger. Ich meine einfach hier bleiben und genießen. Der freie Ausblick auf die Flussmündung, die von den Gezeiten geprägt ist, die Ruhe und der wundervolle Nachthimmel sind so genial das wir uns kaum los reißen können. Aber wir wollen weiter! So weit haben wir uns schon mal entschieden. Zumindest bis zur Ile d’Oleron wo unsere Freundin lebt. Allerdings haben wir noch keinen Plan wie es weitergehen danach soll. Möglich ist einfach alles.

Rochefort en Terre

Mit unseren Freunden Ruth und Frank in Rochefort en Terre

In der Schleuse

Das Traumschiff und die Brücke

Eines Morgens, also vor ein paar Tagen geht es dann tatsächlich los, aber nur nicht so weit! So um die 80 km fahren wir, bis wir in Rochefort en Terre einlaufen. Es ist ein altes wundervolles Dorf, und zur Weihnachtszeit soll es besonders schön dekoriert sein, so mit Lichterketten und Weihnachtsbäumen. Außerdem stehen Frank und Ruth aus England schon dort und wir wollen uns treffen.
Es ist wirklich ein traumhafter Ort und die Weihnachtsdekoration ist richtig sehenswert. An Wochenenden sollte man allerdings einen weiten Bogen um das Dorf herum machen, da es nur so überquillt vor Menschen.

Die Nacht ist bitterkalt und als wir am Dienstag los fahren freue ich mich als die Motorheizung endlich eine angenehme Wärme verbreitet. Es ist wieder nicht weit, wohl auch so um die achtzig Kilometer bis nach Saint Nazaire. Der Stellplatz ist vor den alten U-Bootbunkern und prima zentral gelegen. Hier stehen überwiegend alte Wohnmobile, anscheinend von Leuten die in Saint Nazaire arbeiten. Es ist laut in der Stadt und ein Silomief treibt von einer Hühnerfutterfabrik herüber. Aber es ist auszuhalten. Dafür können wir prima in der Stadt bummeln gehen, die Schiffe im Hafen beschauen und die Sonne über dem Meer versinken sehen. Am schönsten ist es auf den Dächern der U-Bootbunker, denn just zu der Zeit geht gerade die Sonne unter und ihre Strahlen reflektieren an einem Traumschiffneubau in der Werft. Blöd ist das uns eine Securitytante von dort oben verjagt, denn um 17 Uhr werden die Dächer verrammelt, richtig blöd, dann wenn es gut wird werden wir verscheucht! Also tapern wir weiter zum Strand. Hier bietet sich uns eine traumhafte Dämmerungsidylle mit einem kleinen Frachter, der auf dem Weg zu irgend einem anderen Hafen ist.

Die Einfahrt zum alten Hafen in La Rochelle

Die legandäre Rennjacht K.VIII in weihnachtlichem Flair

Abendstimmung über dem Segelhafen von La Rochelle

Weihnachtskick

Nach zwei Tagen reicht es und wir brummen wieder weiter, in einem Stück, das sind über 200 Kilometer, direkt nach La Rochelle, auf einen Parkplatz direkt am Segelhafen. Hier stehen wieder die Schlepp, all das was man den Winter über so braucht, oder eigentlich nicht braucht. Sie sind anscheinend auf dem Weg in den Süden, nach Spanien, Portugal oder Marokko, oder bleiben die einfach hier stehen? Zu mindest stimmt das für den Teil in der vorderen Ecke, denn dort brummen allabendlich die Aggregate und ein widerlicher Benzinmuff schlängelt sich um die Wohnmobile. Bei dieser Hochdruckwetterlage kommt das so richtig gut. Zum Glück stehen wir weit genug entfernt.
La Rochelle ist auch eine Stadt die uns sehr gut gefällt. Die Parkmöglichkeit ist o.k., Fahrradfahren ist richtig gut und die Altstadt hat einen schönen Flair. Zum Glück ist sie im 2. Weltkrieg von den Alliierten nicht zerbombt worden, weil sich die deutschen Besatzer ergeben hatten.
Auch der Weihnachtsflair kommt nicht zu kurz, obwohl wie schon erwähnt, es nicht die gemütliche nördliche Ausstrahlung hat. Dafür können wir draußen vor einem Café in der Sonne sitzen, einen Kaffee schlürfen und ein Croissant vermüffeln. Natürlich mit einem wundervollen Ausblick auf den alten Hafen Nur das Saugboot passt nicht so recht in die Vorweihnachtszeit. Es zieht gemütlich seine Runde im Hafen, füllt seinen Bauch mit Schlamm und Schlumms, um zum Verklappen hinaus zu fahren, um dann seine Arbeit hier wieder aufzunehmen.
Abends, oder besser gesagt ab der Dämmerung gehen die Lichter der Stadt an und das sind jetzt verdammt viele. Die Weihnachtsdeko erstrahlt und die tausenden von Lämpchen erhellen die Herzen, vor allem die der Kinder.

Veröffentlicht unter Frankreich 2016 | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Spuren im Sand – Gedanken zum glücklich sein

Etel048_007Morgens, kurz nach Sonnenaufgang, die Flut geht schlafen und das Meer gibt den Strand wieder frei. Der Sand liegt schier und glatt vor uns und lädt zu einem Spaziergang ein. Wir stapfen los, teils mit schwerem Schritt, dort wo der Sand ganz lose liegt und teils ganz leicht und locker, wo der Sand ganz fest ist. Wir hinterlassen Spuren und die Schatten fallen noch weit in der tief stehenden Sonne.
Etel048_006Auf dem Rückweg begegnen wir immer mehr Menschen, die auch diese gewaltige Freiheit des Meeres und des Strandes erleben wollen. Auch sie hinterlassen Spuren und der schiere Strand des Morgens wirkt am Nachmittag aufgewühlt und vernarbt. Doch dann kommt die Flut und ebnet unser aller Spuren wieder ein. Sie verschlingt das was gewesen ist, um es bei der nächsten Ebbe wieder ganz schier und glatt zu präsentieren. So ist es!

Die Natur, unser Mutterplanet, nein das ganze Universum ist Großartig und wir sind großartig und einzigartig, Du und ich, alle und alles.
Gibt es irgendeinen Grund unser Leben nicht jeden Tag zu feiern?
Gibt nicht irgendeinen Grund jeden Tag mit Liebe zu beginnen?
Was haben wir davon missmutig zu sein,?
Was haben wir davon wenn wir uns ärgern?
Was haben wir davon wenn wir hassen?
Wir vergraben uns bei solchen Gedanken immer tiefer und können uns immer weniger freuen und immer weniger lachen, immer weniger lieben und frei sein.
Sind wir aus diesem Grunde auf die Welt gekommen? Sollen wir den ganzen Tag trübsinnige Gedanken haben? Das ist sicher nicht der Wille unseres Schöpfers. Wenn wir alle das „Leiden“ hinter uns lassen erschaffen wir uns alle zusammen eine viel lebenswertere Welt, einen viel lebenswerteren Planeten und können einander wieder lächelnd in die Augen schauen.
Geht mit offenen Augen und Ohren durch die Welt und glaubt nicht jeden Mist den ihr hört oder lest. Teilt nicht gleich jeden Beitrag in den sozialen Netzwerken ohne ihn kritisch hinterfragt zu haben, denkt bitte daran das ihr durch das Teilen der ganzen Hasspostings nur noch mehr Hass erzeugt, ohne dabei auch nur einen Funken an Konstruktivität bei zu tragen. Kommentiert nicht überschnell und vor allem bleibt mit eurer Wortwahl auf dem Teppich!
Warum über das Wetter schimpfen? Wir können es sowieso nicht ändern und eine „Flucht“ in die Sonnenregion ist und bleibt eine Flucht, denn du stehst alsbald wieder vor der Haustür und so beginnt die Spirale wieder von neuem! Drehe den Spieß einfach um und schaue mal was du Gutes daraus machen kannst! Ja zugegeben, fällt es oft nicht leicht und wir kommen auch oft an unsere Grenzen aber alles Gejammer und Gezeter ändert da nichts, wenn wir selber nicht aktiv werden und handeln, oder eine für uns, schöne Lösung finden.
Warum über den Nachbarn schimpfen wenn er eine schräge Meinung hat? Das bringt nichts! So wirst du den Nachbarn nie ändern können und seine Meinung wirst du dadurch nur festigen. Denke dir doch mal Alternativen aus und lass den Nachbarn mit offenem Mund da stehen wenn du weiter gehst. Werde doch einfach mal kreativ statt aggressiv, das ist eine wundervolle Erfahrung!
Lasst uns gleich heute damit beginnen, meckert nicht über das Wetter, meckert nicht über die Politik, meckert nicht über den Nachbarn, sondern erforscht dabei einmal euer Innerstes wenn ihr all diese destruktiven Gedanken hinter euch lasst. Ihr werdet merken das sich das Leben gleich viel lebenswerter anfühlt. Versucht es doch einmal.

Veröffentlicht unter Gedanken | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Stadtleben

Unser Stellplatz an der Scorff

Unser Stellplatz an der Scorff

Wenn wir sehr lange irgendwo abseits unterwegs sind, dann sehnen wir uns auch mal nach einer Stadt. Ich meine so eine richtige Stadt mit Trubel und Leben. Die Bretagne ist ja zwar eine sehr ländliche Region aber es gibt schon ein paar große Städte wie Rennes, Brest, Vannes und eben auch Lorient.
Ja, wir kommen fast jedes Jahr nach Lorient und das hat ein paar Gründe. Zum einen haben wir um 2000 herum hier gerne das interkeltische Festival (Festival interceltique de Lorient) besucht, zum anderen hat unsere Freundin hier bis letztes Jahr ihre Wohnung am Rande der City gehabt. Außerdem können wir hier mit dem Wohnmobil einigermaßen gut übernachten.
Lorient hat die Vielfalt einer mittleren Stadt zu bieten, große Einkaufszentren und eine Innenstadt mit einem gemütlichen Leben, die aber auch die üblichen Probleme mit der Attraktivität hat. Hinzu kommt der maritime Flair mit einem Industriehafen, einem Fischereihafen, einem Segelhafen und einem Fährhafen. Der Segelhafen ist wohl der interessanteste da er sich in dem Gebiet der U-Bootbunker aus den Zeiten des zweiten Weltkrieges befindet. Alte Bausubstanz finden wir hier vergeblich, da Lorient von den Alliierten zerbombt wurde.
Unser erster Anlaufpunkt ist das Gewerbegebiet in Lanester. Lanester ist eine eigene Gemeinde und ist von Lorient durch den Fluß Scorff getrennt. Hier gibt es einen netten Bastelladen, der alles hat, was das Kinder.- und Künstlerherz begehrt, von Ölfarben über Bilderrahmen bis hin zu Glasperlen. Wir finden für uns allerdings nur etwas, um kleine Makrameesachen zu basteln.
Weiter geht es auf die andere Seite von Lorient in Richtung K2. K2 ist ein großer Einkaufspark, wie bei uns. Wir parken direkt an der TGV Linie von Lorient nach Quimper. Die Züge stören nicht, dann sie sind viel leiser als in Deutschland, außerdem haben sie, so kurz hinter dem Bahnhof, noch nicht die volle Geschwindigkeit drauf. Es regnet wie aus Eimern und von daher ist es auch egal wo wir stehen. Im Decathlon, das ist wohl der größte Sportdiscounter, ergattern wir, für unsere Verhältnisse, richtig gute Regenjacken. Ist das vielleicht ein Zeichen das wir hier in der Bretagne bleiben sollen? Am nächsten Tag schlendern wir noch mal zum Boulanger, das ist ein Elektronikfachmarkt, ich dachte ich könnte da einen LTE-Roter abgreifen, aber die haben absolut nix, keine Router, nothing! Aus Frust steppen wir noch durch den Brico Dépot, einen Baumarkt der härteren Version, also für Semiprofis mit toller Auswahl und kommen mit einem LED-Leuchtmittel (LED-Glühbirne) wieder heraus. Nach diesem Einkaufsrausch besuchen wir noch den Biocoop, einen richtig guten Bioladen, oder eher Markt der alles hat was ein richtiger Ökujunkie so braucht.

Unsere Aussicht bei Nacht

Unsere Aussicht bei Nacht

lorient047_003

Kunst am Hafen

Mittags ist umziehen angesagt, wir wollen mehr in die City, und eine gute Parkmöglichkeit gibt es direkt an dem Fluß Scorff, die um diese Uhrzeit auch nicht sonderlich belegt sein sollte. So ist es auch, kein einziger PKW, geschweige denn Wohnmobil stehen hier. Es ist zwar unweit der Straße, aber wir können alles zu Fuß oder mit dem Fahrrad erledigen und haben sogar freie Sicht auf den Fluß. Der Verkehr legt sich dann Abends und schläft während der Nacht ein, nur ab und an braust ein Krankenwagen vorbei, denn es ist der direkte Weg zu dem neuen Krankenhauskomplex, der auf dem ehemaligen Gelände des riesigen Militärgeländes „Arsenal“ entstanden ist.
Wir machen uns mit den Fahrrädern auf den Weg entlang des Scorffs. Der Radweg ist erst in den letzten Jahren, auf Grund des Rückzuges des Militärs aus diesem Gebiet, entstanden. Bei dem neuen Krankenhaus ist dann aber leider Schluß mit Lustig. Der dahinter liegende Teil gehört zur DCNS, eine Werft die sich auf den Rüstungsbau im Marinebereich spezialisiert hat. Das Gelände ist über die Brücke, Pont Geydon, mit der östlichen Seite des Arsenals in Lanester verbunden. Hier befindet sich auch noch sichtbar der so genannte Scorff-Bunker aus den Zeiten der deutschen Besetzung. Zwischen einer hohen Mauer und Wohnhäusern geht es eine kleine Straße weiter, um schließlich auf einem großen Platz zu landen, der wie ein Exerzierplatz aus sieht. Letztes Jahr klaffte hier noch ein riesiges Loch, es wurde ein unterirdischer Parkplatz gebaut. Auf dem ehemaligen Arsenalgelände geht es weiter zwischen typischen alten Militärgebäuden, einer alte Windmühle und dem Turm de la Découvert, einem alten Leuchtturm, der bereits 1737 konstruiert wurde . Außerdem halten sich hier hartnäckig ein paar alternative Künstler in kleinen Baracken in Sichtweite des gläsernen Neubaus, dem „Maison de l’Agglomération„. Plötzlich sind wir an der Einfahrt zum Yachthafen und jetzt steuern wir wieder auf die Innenstadt zu, Heike verliert sich bei H&M und ich schleich mich zu fnac (Elektronikfachmarkt,CD’s und Bücher) und schaue dort vergeblich nach irgendwelchen Routern. Auf der Busspur, die gleichzeitig Radweg ist, geht es schnell wieder am Bahnhof vorbei, zu unserer Behausung.
lorient047_005Am Samstag ist Markttag und wir müssen dort natürlich auch hin! Für unsere Verhältnisse aus Bad Oldesloe ist es ein Traum. Annähernd 10 Ökobauernhöker vertreiben hier ihr leckeres Gemüse. Ganz toll sind die Biokiwis aus Caudan. Ja richtig, in der Bretagne wachsen Kiwis, das ist ein weiteres Indiz für das besonders milde Klima. Auch unseren alten Stellplatz wollen wir besuchen, aber der ist jetzt abgesperrt, wie das gesamte Hafengelände, schade. Wir fahren einmal zur Spitze wo der Fischereihafen beginnt um dann die Avenue de la Perrière wieder hoch zu radeln. Es ist eine alte seemännisch geprägte Straße mit sehr vielen kleinen Spelunken. Hier schauen wir regelmäßig beim Comptoir Irlandais rein. Es ist ein kleiner Laden mit typisch irischem Zeugs, vom Hut über Pullover, Tee, cakes, teapots, Whiskey und Briketts. Ja Briketts, es war 2000 der einzige Laden weit und breit in dem wir Briketts für unseren Ofen ergattern konnten. Bei dem Fährbahnhof zur Île de Groix entdeckt Heike das man dort im Café einen netten Ausblick auf den Hafen hat und so genießen wir endlich einmal einen guten café du lait (Milchkaffee), der sogar heiß ist und nur knapp über einen Euro kostet. In Quiberon wird man für einen kalten Café gleich über drei Euro los und hat nicht so eine nette Aussicht. Na ja, im Sommer ist es sicher viel zu quirlig hier, wenn die ganzen Reisenden auf die Fähre warten.

Hennebont047_001

Die Basilique de Notre Dame du Paradis

Hennebont047_004

Nacht in Hennebont

Am Samstag Nachmittag ziehen wir dann nach Hennebont um und beziehen ein lauschiges Plätzchen an der Blavet. Lauschig ist etwas übertrieben, denn am Wochenende ist es ein bevorzugter Startpunkt für Wanderungen an der Blavet bis nach Inzinzac Lochrist. Ein Auto nach dem anderen kommt und geht und endet erst spät nach Einbruch der Dunkelheit. Hennebont ist einen Abstecher wert und wer nicht an der Blavet wandern möchte der schaut sich eben die alte Innenstadt an, in dessen Zentrum die mächtige Basilique Notre-Dame du Paradis steht. Leider enttäuscht das Innere der Kirche.

etel048_002

Die Sonne verabschiedet sich über der Barre d’Étel

Am Montag Vormittag brechen wir dann erneut auf, die Akkus brauchen auf jeden Fall mal wieder eine Volladung und das schaffen wir bei den kurzen Fahrstrecken und dem kurzen Sonnenschein nur mit Landstrom. Aber wir hatten sowieso vor nach Étel auf den Womoplatz zu fahren. Der Scheckkartenautomat geht für deutsche Karten immer noch nicht und so greift Heike sich den Gemeindearbeiter der auf dem Platz umbauten am Sanitärgebäude macht. Er macht uns die Schranke auf und kommt heute Morgen mit einer Kollegin vorbei um das Parkgeld zu kassieren. So freundliche Menschen wie die beiden haben wir ganz selten in unserem Leben getroffen! Und so hat eine nicht funktionierende Technik auch seine Vorteile. Hoffentlich bleibt das so, denn wir kommen ja wieder.
Die erste Nacht war verdammt kalt, es war wohl nur knapp über dem Gefrierpunkt. Dafür haben wir den ganzen Tag strahlend blauen Himmel und diese wundervollen kräftigen Herbstfarben. Es ist wie in einem wundervollen Traum, nur das uns der steife und eiskalte Wind in die Realität zurück holt.

Moules St. Jaques

Moules St. Jaques

Heute war hier in Étel Wochenmarkt und wir kaufen unter anderem frischen Spinat von der Ferme du Sac’h. Im Fischladen greifen wir sechs Noix de Saint Jaques¹ ab, die wir heute abend gemeinsam, mit Kartoffelpü und Spinat und Salat zubereitet haben. Es ist eine wirkliche Delikatesse. Nur die Kobolde meinten das es absolut nicht magenfüllend wäre, aber das ist eine ganz andere Geschichte.

¹Die Moule Saint Jaques wird ab Herbst geerntet. Als Symbol wird die Muschel für die Pilgerwege nach Santiago de Compostella verwendet.

Veröffentlicht unter Frankreich 2016 | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Sturm kündigt sich an

Plouharnel046_001Wenn wir etwas erleben wollen müssen wir nicht groß etwas unternehmen, auch im Kleinen ist das Leben so wundervoll lebenswert.
Unser Wetterbericht sagt düstere Zeiten voraus und so planen wir diese Woche etwas mehr als sonst. Wir kaufen in Carnac beim Lidl und in Plouharnel beim Super U ein. Beim Lidl natürlich Brötchen, irgendwelche Papiertücher und ich ergatter zwei Pakete Akkus für Taschenlampe, Garmin und Co. Im Super U gönnen wir uns zwei Scheiben Rinderleber, etwas Käse zum drüberstreuen und, ach ich hab’s vergessen, ist ja auch nicht wichtig. Vorher haben wir aber schon das zum Supermarkt gehörige Waschcenter erobert und es rackert sich eine große Waschmaschine für uns ab. Als wir die Einkäufe erledigt haben schleudert sie schon munter vor sich hin. Anschließend wandert das Zeugs in zwei Trockner. Jetzt haben wir zehn Minuten Zeit und Heike legt ein flottes Tänzchen auf das Parkett vor den Trocknern hin. Der Waschsalon ist klasse, sauber, gute Maschinen und  hat ein ordentliches Parkett für einen Tango 🙂

Quiberon046_005

Die Côte Sauvage

Quiberon046_006

Die Spitze am „Fozo“

Quiberon046_003

Das Schloß Turpault nach dem Sturm

Quiberon046_002

Die Wellen brechen sich am Tag nach dem Sturm an der Kaimauer

Quiberon046_008

Strandspaziergang

Anschließend fahren wir nach Portivy und parken vor dem im Winter geschlossenen Dünenmarkt. Die letzte Möglichkeit in der Nähe des Port Blanc zu parken hat die dusselige Gemeinde mit einer Höhenbegrenzung versehen. Wir denken aber mal das das angrenzende WC Häuschen zu sehr durch die Camper, die möglichst alles umsonst haben wollen, ausgenutzt wurde. Egal, zur Küste ist es ein Katzensprung und wir wandern auf unseren alten Pfaden. Nach zwei Nächten haben wir die Nase voll und wir beide haben das Gefühl das wir hier jetzt verschwinden sollten. Also ziehen wir um und landen wieder bei unserem Freund auf dem Parkplatz.
Das Wetter hat sich halbiert, was heißen soll, es scheint die Sonne oder es regnet. Also prima Wetter! Zum Wochenende hat sich ein Sturm angemeldet und wir verpieseln uns auf den Windgeschützten Parkplatz am Bahnhof von Quiberon. Im Winter kräht hier kein Hanhn nach. Wir sind hier schnell zu Fuß in der City, am Hafen und wir hören die Tröte wenn die Fähre von der Belle Île einläuft. Es ist recht angenehm und der Verkehr tagsüber nervt nicht und Nachts ist hier eh tote Hose.
In der Nacht von Samstag auf Sonntag hat er uns beglückt, der Sturm. Die Platzwahl ist optimal, wir stehen in Windrichtung und bekommen vom Sturm kaum etwas mit. Ich mache mich vor Mitternacht auf den Weg zum Hafen und merke wie der Wind jeden Schritt Richtung Wasser zu nimmt. Am Stadtstrand, der an den Hafen angrenzt, ist die Hölle los. Ich wollte eigentlich ganz runter, aber der Sand knallt mir so in das Gesicht und in die Augen, das ist einfach zu viel, geschweige denn das ich eh nicht gegen den Wind ankomme. Dieser Abschnitt scheint wie ein enger Kanal zu wirken, der die Windgeschwindigkeit noch weiter nach oben treibt. Am Fähranlieger ist es etwas besser, da er ja von der Kaimauer geschützt ist. Es ist dunkel, die Straßenbeleuchtung ist ausgefallen und ich bin patternaß und so mach ich mich wieder auf den Heimweg. Das war schon ein tolles Erlebnis.
Jetzt stehen wir wieder am Sable Blanc auf dem Wohnmobilplatz, puffern unsere Akkus und heizen mit feinstem französichen Atomstrom….. Ein Schauer jagt den Anderen, gefolgt von wundervollem Sonnenschein. So macht der Herbst richtig Spaß!

Am Tag danach:

Veröffentlicht unter Frankreich 2016 | Verschlagwortet mit , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Zeitraffer

Zeitraffer, auch unter Time Lapse bekannt, hatte mich nie so richtig interessiert, weil ich die technischen Voraussetzungen einfach nicht hatte. Als Jürgen Reinert dann aber einen Platz in der Bretagne suchte, bei dem er Zeitrafferaufnahmen von dem Tidenhub machen will, dachte ich auch mal darüber nach. Auf die Idee es mit dem Smartphone zu machen war ich bis da nicht gekommen. Da wir in Plouharnel mit unserem Schlafzimmerfenster direkt Aussicht auf ein „Schlammloch“haben wäre das die passende Gelegenheit! Noch dazu haben wir Springtide, Grand Marée.
Auf dem Smartphone habe ich die hervorragende App openCamera installiert, die ich jedem nur empfehlen kann. Kurz gesucht und gefunden, mit openCamera kann man Zeitlupenaufnahmen machen! Zum testen habe ich mal ein Aufnahmeintervall von 5 Minuten eingegeben und das Smartphone in das Schlafzimmerfenster gestellt. Klasse, es läuft bestens! Zur Mittagszeit kommen von unserer Radtour zurück, und da ist unser Schlammloch genauso wasserlos wie Morgens. Macht nichts, es kommt ja bald, laut Tidekalender. Wir begeben uns also zum Mittagsschlaf in die Koje und wollen eine Runde ab pofen. Klick! alle paar Minuten. Es ist fast wie Folter, dieser Klick! Kein Problem denke ich, und stelle alles auf Lautlos was die Kiste so her gibt. Klick! Verdammt, wo ist dieser besch…. Schalter um den Klick! aus zu stellen….? Klick! Also Vadder Google gefragt und der sagt mir das es nicht ganz so einfach wäre und das in Asien irgendwo in irgendeinem Land ein Gesetz gibt, bei dem die Kamera Klick! machen muß, wegen Privatsphäre oder so. Es gäbe wohl aber die Möglichkeit, allerdings muß man das Smartphone rooten…. pffft, ich will nur den blöde Klick! weg haben. Zum Schluß hatte ich den Gedanken verworfen und es wird sich auch ganz gut ohne Zeitrafferaufnahme vom Tidenhub bei Supermond in Plouharnel leben können. Heute Morgen beim Frühstücken kam mir dann doch die rettende Idee das es vielleicht eine spezielle App für Zeitraffer gibt, natürlich ohne Klick! Es gibt sie, sie heißt „TimeLapse Video Recorder“ und das Resultat lässt sich schon bei der ersten Probe sehen. Jetzt ist Hänschen glücklich und zufrieden! 😉

Veröffentlicht unter Frankreich 2016 | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Magische Momente

Camaret043_001

Alles verschwimmt in einem grauen Meer
Es ist als will es sich mir verbergen
in einem Meer aus grauem fahlen Licht
Die Farben schwinden in eine andere Welt
und Ruhe kehrt ein
Eine Ruhe wie die Ewigkeit
formlos und farblos
Einfach nur Ruhe
um plötzlich in leuchtende Farbenfreude zu explodieren

Alle Bilder von Heike und Hans-Herbert
Unten auf das erste Bild klicken, dann öffnet sich die Diashow und startet automatisch

 

Veröffentlicht unter Frankreich 2016 | 2 Kommentare

Ein grauer Vormittag – Geocaching ist angesagt

Camaret043_022

Heute haben wir eine Stunde länger geschlafen, ähm eigentlich nicht, oder doch? Wie war das noch mit der Zeitumstellung? Auf jeden Fall sind wir gut ausgeschlafen und kommen früh aus den Federn und haben trotzdem ne Stunde länger gepennt. So, nu ist genug!
Der Morgen ist grau, oder besser der Himmel ist grau verhangen und so beschließe ich heute eine Runde zu machen und Geocaches zu suchen. Nee, das ist nichts zu essen, man sucht etwas was Andere versteckt haben. Kommt natürlich aus den USA, bringt aber trotzdem Spaß. Also, jemand versteckt einen Geocache und veröffentlicht die Geodaten im Internet auf speziellen Geocacheseiten. Die Verstecke sind meist irgendwelche Dosen in denen ein Logbuch hinterlegt ist, in denen sich die Finder brav einzutragen haben. Es können auch ein paar nette Kleinigkeiten rein gelegt werden die man gerade nicht braucht. In den Beschreibungen zu den Verstecken werden meist auch interessante Informationen zu der Gegend geschrieben an die man normalerweise nicht heran kommet. Es gibt aber auch noch ganz andere Varianten, wie Earthcaches, Rätselcaches, Multicaches uvm. Prinzip verstanden? O.k. dann kann es ja los gehen. Die Geocachedaten liegen auf meinem Garmin Dakota (Navi für Radfahrer und Wanderer) und so stapfe ich los. Auf der Route sind 25 Caches ausgelegt, es ist also eine ganze Ecke abzugrasen, wenn ich dann Lust habe bis zum bitteren Ende durch zu halten.

Camaret043_010Es ist so schön ruhig als ich los gehe. Die Franzosen scheinen noch alle zu schlafen. Das mag ich 🙂

camaret043_011Vorbei geht es an dem ziemlich vollen Wohnmobilplatz. Die Franzosen haben Herbstferien, wobei der hintere Bereich leer ist und vorne kuscheln sie, komisches Volk.

camaret043_012Viel schöner sind die Alignements de Lagatjar, die Steinreihen unserer Urvorfahren.

Camaret043_013Mein Weg führt mich durch den wundervollen Weiler Kermeur mit den traumhaften alten Steinhäusern.

Camaret043_014So komme ich nach ein paar Minuten an dem kleinen Parkplatz an der Küste an. Der Wanderweg führt auf der linken Seite immer am Rand der Klippen entlang. Es ist einer der schönsten Küstenabschnitte des Fernwanderweges GR 34 in der Bretagne.

Camaret043_015Es ist Ebbe und Neumond. Das Meer hat sich weit zurück gezogen und so liegt der wundervolle weite Strand unter mir. Bei solch starken Ebben kann man dort unten von Bucht zu Bucht wandern.

Camaret043_016Und es geht auch gleich mit dem ersten Cache los. Er ist einfach zu finden und ist auf der Unterseite eines Steines festgeklebt.

Camaret043_017Auch bei diesigem Wetter leuchtet das türkisfarbene Meer wie im Paradies.

Camaret043_018Ich fühle mich pudelwohl und genieße den Vormittag aus tiefstem Herzen. Es sind kaum Menschen unterwegs die mich beim Suchen stören könnten.

Camaret043_019Ein Cache in einem witzigen Tarnnetz

Camaret043_020Oder einer in einem Gummiüberzieher am Stein verschraubt

Camaret043_021Ein letzter Blick die Küste entlang, denn jetzt beginnt der Rückweg etwas abseits der Felsen.

Camaret043_023Sehr gut getarnt in einem Baum

Camaret043_024Der höchste Punkt mit 63 Meter.

Camaret043_025Und so sieht es im Hinterland aus. Die Wege sind mit Mäuerchen abgesetzt, die überwuchert sind. Es ist alles mit Farnkraut, Heidekraut und Stechginster zugewuchert.

Camaret043_026Ein witziger Cache in einer Pinie

Camaret043_027Seht ihr den Cache?

Camaret043_027a
Jetzt aber?! Wenn nicht dann aber schnell ab zu Fielmann!

Camaret043_028Die Geocachetour ist fast zu Ende und ich verweile noch etwas an der Quelle Fontaine Piriou.

Camaret043_029Mein letzter Cache für heute, es sind 25 Stück, ich habe tatsächlich alle Caches aus der Serie auf anhieb gefunden!

Camaret043_030Auf den letzten Metern vor dem Weiler führt mich der Weg genau in Richtung der würdevollen Küstenhäuser.

Camaret043_031Habt ihr es gemerkt? Seit Mittag ist die liebe Sonne heraus gekommen und hat mich seit dem begleitet. 🙂
Zu Hause setze ich mich nach den 12 Kilometern erst einmal in die Sonne und genieße einen Capuchino und müffel ein paar Spekulatius.
Hier kommt ihr zu der Route:

Cacheroute in Camaret

Veröffentlicht unter Frankreich 2016 | Verschlagwortet mit , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Das Licht wird knapp und zwei Inselrundfahrten

Wir haben die letzten Tage der Sommerzeit und wir freuen uns das bald wieder Winterzeit sein wird. Nicht das wir den Winter herbei sehnen, aber wir sind Frühaufsteher und wenn die Sonne hier erst um kurz vor neun Uhr auf geht dann ist früh aufstehen irgendwie nicht richtig sinnvoll. Dafür nehmen wir die Temperaturen gerne an und genießen so um die frischen 9°C in der Nacht und 17°C am Tage, wenn der Nebel sich verzogen hat.

Die Kapelle Notre-Dame-de-Rocamadour und der Schiffsfriedhof

Die Kapelle Notre-Dame-de-Rocamadour und der Schiffsfriedhof

In Frankreich sind jetzt Herbstferien und hier in Camaret ist richtig was los. Na ja, jedenfalls für französische Verhältmisse. Die meisten Cafés und Restaurants sind aber nur an den Wochenenden geöffnet, oder haben die Bude bis Ostern ganz verrammelt. Es ist jetzt richtig nett hier, denn die vielen Kinder die man sonst nicht sieht, heben die Stimmung um einiges an. Es ist eine richtig fröhliche Atmosphäre. Nur wird den Menschen nicht so viel geboten weil eben alles auf die Sommerferien konzentriert ist. Ich glaube die Franzosen sollten sich dem Trend mal etwas anpassen.

Das Fort de Capucins

Das Fort de Capucins

Wir haben derweil die Crozonhalbinsel, ausnahmsweise mal mit dem Auto, abgegrast. Mit den Fahrrädern sind die Strecken doch zu heftig weil es hier permanent rauf und runter geht, aber ordentlich!
Es gibt auf der Crozonhalbinsel vier Cap’s. Den Pointe de Toulinguet und den Pointe de Pen Hir können wir zu Fuß erreichen, also bleiben der Pointe des Espagnols auf der Presqu’île de Roscanvel, und das Cap de la Chèvre.
Auf dem Weg zum Cap des Espagnols halten wir als erstes am Fort de Capucins. Es ist eine kleine Miniinsel (Îlot) die schon der Festungsbaumeister Vauban in eine Festung umbauen wollte, es aber aus Kostengründen nicht umgesetzt wurde. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts begannen die Arbeiten zur Festung. Wir sind dieses mal nicht herunter geklettert, sondern haben die Aussicht von der hohen Küste aus genossen. Die Brandung die gegen den schwarzen Fels donnert, den Phare de Saint Matthieu mit der alten Ruine der Abtei können wir sehen und auch unsere Tauchbucht am Point de Toulinguet können wir bewundern. Genau gegenüber des Forts, auf der „Brestseite“ glänzt der kleine Phare du Miniou im Sonnenlicht. Hier oben, auf Straßenhöhe ist fast der ganze Küstenbereich eine einzige Festungsanlage und man stolpert über die markanten Bauten Vaubans aus dem 17. Jahrhundert, oder es sind die moderneren Betonreste des Atlantikwalls aus dem zweiten Weltkrieg.

Das Fort de Cornouaille

Das Fort de Cornouaille

Im unterirdischen Bereich des Forts

Im unterirdischen Bereich des Forts

Obwohl wir schon Jahre lang hier her reisen haben wir trotzdem für uns etwas Neues entdeckt, das Fort de Cornouaille. Im Gegensatz zum Fort de Capucins gibt es hier einen richtig netten und geraden Parkplatz mit einer prima Aussicht. Ein kleiner steiler Pfad schlängelt sich an der Steilküste zwischen Stechginster, Farnkraut, Brombeergestrüpp und Schlehenbüschen herunter. Mal ganz angenehm auf Stufen, die in den Fels getrieben wurden, mal stolpern wir über unebene Bereiche, um schließlich auf einer grasgrünen Plattform zu landen.  Ganz am Ende führt eine kleine Treppe herunter in die, in den Fels gehauenen, Katakomben. Es waren wohl mal zwei große Geschützstellungen die nur ganz knapp über der Wasseroberfläche liegen. Das ganze Ausmaß der Anlage kann man leider nur von der Seeseite aus bewundern, aber auf der anderen Seite liegt ein Pendant zu dem Fort de Cornouaille, das Fort du Mengant, und so bekommt man eine Vorstellung davon, wie es vom Wasser her aussieht. Es wurde natürlich, wie sollte es auch anders sein, von Vauban erbaut und hat eine stattliche Länge von 250 Metern, liegt aber nur ein paar Meter über dem Meeresspiegel. Ein ganzer Haufen Geschütze haben hier einmal die Hafeneinfahrt von Brest bewacht. Es ist schon irre was die Leute sich damals ausgedacht haben und was sie so gebaut haben.

Blick auf den Militärhafen von Brest

Blick auf den Militärhafen von Brest

Ein paar Kilometer weiter kommen wir dann auch schon zum Ende der Halbinsel Presqu’île de Roscanvel und erreichen den großen, aber leeren Parkplatz. Hier müssen wir uns erst einmal etwas stärken und legen uns zum alltäglichen Mittagsschlaf nieder.  Die warmen Sonnenstrahlen lassen uns nur kurz ruhen und nach einem schönen Kräutertee geht es an das Ende der Spitze des Caps, an den Pointe des Espagnols. Von hier aus haben wir einen grandiosen Blick auf den Hafen von Brest, bis hin zur Erdbeerhalbinsel Plougastel-Daoulas und uns gegenüber dem Phare (Leuchtturm) du Portzic. Es ist kuschelig warm, die Sonne verwöhnt uns und wir genießen den Ausblick.

Fahrschulboote und das Fort du Mengant

Fahrschulboote und das Fort du Mengant

Heute, am Sonntag ist recht wenig Schiffsverkehr in Rade de Brest, aber als ich vor ein paar Tagen mit dem Fahhrad hier war brummte die Schiffsautobahn. Mich verwunderten drei kleine Marineboote die immer große Kreise drehten und ab und an mal kurz aus der Rade heraus gefahren sind um anschließend wieder zurück zu kommen. Anhand der Schiffsnummern fand ich dann heraus das es, ich nenne es mal „Fahrschulboote“, der Marine waren. Meine erste Vermutung das es Patroillefahrten vor der Atom-U-Bootbasis der Île Longue waren, hatten sich damit zerschlagen. Na ja, hätte ja sein können das sich ein fremdes U-Boot zu weit heran wagt.

Der Hafen von Brest und der Phare du Portzic

Der Hafen von Brest und der Phare du Portzic

Die Festungsanlagen hier auf dem Cap sind leider alle durch Sperrgitter verbarikadiert und zu dem unteren Bereich soll man wohl ieber auch nicht. Jedenfalls sagt es das Verbotsschild. Aber was sagen Verbotsschilder in Frankreich schon. 😉
Auf dem Rückweg fahren wir über Le Fret. Von hier aus fährt eine Personenfähre nach Brest, aber leider nur in den Sommermonaten. Weiter geht es über Lanvéoc, Tal ar Groas und Crozon zurück nach Hause, die Sonne geht schon unter und ein traumhafter Sonntag endet.

Am Cap de la Chèvre

Am Cap de la Chèvre

Das Sémaphore und ein Geschützstand der Deutschen

Das Sémaphore und ein Geschützstand der Deutschen

Am Mittwoch brechen wir ein zweites mal auf um das Cap de Chèvre zu besuchen. Da aber Mittwoch ist, besuchen wir als erstes den Wochenmarkt in Crozon und decken uns für eine Woche mit Grünzeugs ein. Von hier aus geht es steil bergab nach Morgat, um anschließend wieder genau so steil aus dem Ort heraus zu kommen. Eine schmale Landstraße führt uns geradewegs gen Süden zum Cap. Ab und an geht mal ein Weg zu von Pinien versteckten Häusern oder kleinen Weilern. In Ménesguen hat unser Freund Jörg ein Ferienhaus und das wollten wir uns natürlich einmal anschauen. Wir suchen eine Möglichkeit zum parken, finden aber nichts auf die schnelle und der Ferienverkehr ist dafür einfach nicht geeignet irgendwo länger an zu halten. Das Cap selber ragt etwa 90 Meter aus dem Meer heraus. Wegen der vielen Besucher sind aber die Wege mit einem kleinen Zaun begrenzt und so sollen die Menschen, auf freiwilliger Basis, auf den Wegen gehalten werden. Irgendwie ist es schade, denn wir kommen so nirgends direkt an die hohen Klippen heran, aber wir respektieren den Uferschutz natürlich! Hier gibt es weiter nichts als einen Parkplatz, Wanderwege, viele Bunker, ein Denkmal der Marineflieger und ein Semaphore (Seeüberwachung) und natürlich Natur, überwiegend Heide. Im Frühjahr ist es ein Traum zur Blütezeit.

Unsere alte Tauchbucht

Unsere alte Tauchbucht

Unser Fazit nach dem herumgereise auf der Halbinsel Crozon ist, das wir den besten Ausgangspunkt hier in Camaret auf dem Campingplatz haben. Die schönsten Ecken, der Pointe de Pen Hir, der Point de Toulinguet und die Anse de Pen Hat (Strand) können wir bequem zu Fuß erreichen. Einen neuen Punkt auf der Presqu’île de Roscanvel habe ich auch schon gefunden, die Îlot du Diable (das Inselchen des Teufels)
Es ist toll, wir kommen schon viele Jahre nach Camaret, entdecken aber immer wieder Neues!

Veröffentlicht unter Frankreich 2016 | Hinterlasse einen Kommentar

Einstimmung auf den Herbst

Die wundervolle Kapelle

Die wundervolle Kapelle

Freier Blick

Freier Blick

Der Blick über die Bucht von Douarnenez

Der Blick über die Bucht von Douarnenez

Abendstimmung

Abendstimmung

Die Traumbucht

Die Traumbucht

Am Pointe de Toulinguet

Am Pointe de Toulinguet

Die Tage werden jetzt merklich kürzer und besonders der Morgen fängt hier sehr spät an. Kein Wunder , denn wir sind ein paar Grad westlich von Greenwich und somit ist bei gleicher Uhrzeit der Tag nach hinten gerutscht. Merken tun wir das natürlich nur wenn wir auf die Uhr schauen. Also lassen wir das, der Tag geht auch ohne Uhrzeit vorbei.
Wir haben Abschied von Quiberon genommen, haben unsere Gemüsevorräte bei Gwenola und Yves aufgefüllt und sind über Lorient an die Bucht von Douarnenez gefahren. Wisst ihr eigentlich das in der Bucht die versunkene Stadt Ys liegen soll? Manchmal hören sogar die Fischer die Kirchenglocken in der Tiefe läuten! König Gradlon war ein guter und sehr beliebter Herrscher und sein Volk lebte in Hülle und Fülle. Seine Tochter Dahout soll sich jedoch mit dem Teufel eingelassen haben, dem sie die Schlüssel der Schleusentore gab. Ys versank daraufhin am nächsten Morgen in den Fluten. König Gradlon konnte sich aber gerade noch retten, in dem er seine verräterische Tochter, auf geheiß einer himmlischen Stimme, in die Fluten zurück stieß. Erst als das Meer Dahut als Opfergabe bekam, zogen sich die Fluten wieder zurück. König Gradlon baute daraufhin die Stadt Quimper mit dem Heiligen St. Corentin wieder auf.
Wenn wir auf die Bucht von Douarnenez schauen, mögen wir uns kaum vorstellen, das hier solche Flutwellen sein können. Bei Flut hebt sich ganz langsam der Wasserspiegel und drängt in die weite Bucht vor, um anschließend wieder ganz langsam und gemächlich zu sinken. Weite Spaziergänge können wir am Strand bei Ebbe machen und die herrliche Dünenlandschaft bewundern. Der Blick auf die Bucht wird malerisch durch das Cap de Chévre und dem Cap Sizun eingerahmt, und die Kapelle hinter den Dünen scheint über das Land und das Meer zu wachen.
Ein paar Kilometer weiter gen Norden kommen wir an dem höchsten Berg der Bretagne, dem Menez Hom, vorbei. Wir lassen ihn aber rechts liegen denn es schifft sowieso wie aus Eimern. In Crozon füllen wir unsere Vorräte etwas auf, da hier der einzige Wochenmarkt zu dieser Zeit ist. Die Regenschirme kommen das erste mal richtig zum Einsatz, wir stehen geduldig an einem kleinen Gemüsestand an und warten bis eine liebe kleine Omi ihren Wochenvorrat eingekauft hat. Es ist kein gewöhnlicher Stand, sondern ein Stand eines Gemüsebauern. Es gibt das zu kaufen was das Land her gibt und die Sellerie sind in Zeitungspapier eingeschlagen. Das hat Stil! Am Stand gegenüber gibt es Bioeier und der langhaarige Typ reibt sich die Arme weil es so ungemütlich feucht und windig ist. Daneben gibt es Ziegenkäse, den wir natürlich auch gerne mit nach Hause nehmen.
Unser Ziel liegt aber noch etwas weiter auf der Spitze, wir fahren nach Camaret und hier bleiben wir auch ein paar Tage. Camaret gehört zu den Highlights. In Camaret gibt es dieses geheimnisvolle „Bretagnelicht“ das wir nur an ein paar Orten finden und das auch Gaugin und viele andere Künstler in ihren Bann zog. Weite Heide überzieht die Caps die jäh und schroff zum Meer herabstürzen. Türkis leuchtet das Meer und schneeweiß sind die Schaumkronen. Es ist ein phantastisches Farbenspektakel!

Veröffentlicht unter Frankreich 2016 | Hinterlasse einen Kommentar