Das Licht wird knapp und zwei Inselrundfahrten

Wir haben die letzten Tage der Sommerzeit und wir freuen uns das bald wieder Winterzeit sein wird. Nicht das wir den Winter herbei sehnen, aber wir sind Frühaufsteher und wenn die Sonne hier erst um kurz vor neun Uhr auf geht dann ist früh aufstehen irgendwie nicht richtig sinnvoll. Dafür nehmen wir die Temperaturen gerne an und genießen so um die frischen 9°C in der Nacht und 17°C am Tage, wenn der Nebel sich verzogen hat.

Die Kapelle Notre-Dame-de-Rocamadour und der Schiffsfriedhof

Die Kapelle Notre-Dame-de-Rocamadour und der Schiffsfriedhof

In Frankreich sind jetzt Herbstferien und hier in Camaret ist richtig was los. Na ja, jedenfalls für französische Verhältmisse. Die meisten Cafés und Restaurants sind aber nur an den Wochenenden geöffnet, oder haben die Bude bis Ostern ganz verrammelt. Es ist jetzt richtig nett hier, denn die vielen Kinder die man sonst nicht sieht, heben die Stimmung um einiges an. Es ist eine richtig fröhliche Atmosphäre. Nur wird den Menschen nicht so viel geboten weil eben alles auf die Sommerferien konzentriert ist. Ich glaube die Franzosen sollten sich dem Trend mal etwas anpassen.

Das Fort de Capucins

Das Fort de Capucins

Wir haben derweil die Crozonhalbinsel, ausnahmsweise mal mit dem Auto, abgegrast. Mit den Fahrrädern sind die Strecken doch zu heftig weil es hier permanent rauf und runter geht, aber ordentlich!
Es gibt auf der Crozonhalbinsel vier Cap’s. Den Pointe de Toulinguet und den Pointe de Pen Hir können wir zu Fuß erreichen, also bleiben der Pointe des Espagnols auf der Presqu’île de Roscanvel, und das Cap de la Chèvre.
Auf dem Weg zum Cap des Espagnols halten wir als erstes am Fort de Capucins. Es ist eine kleine Miniinsel (Îlot) die schon der Festungsbaumeister Vauban in eine Festung umbauen wollte, es aber aus Kostengründen nicht umgesetzt wurde. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts begannen die Arbeiten zur Festung. Wir sind dieses mal nicht herunter geklettert, sondern haben die Aussicht von der hohen Küste aus genossen. Die Brandung die gegen den schwarzen Fels donnert, den Phare de Saint Matthieu mit der alten Ruine der Abtei können wir sehen und auch unsere Tauchbucht am Point de Toulinguet können wir bewundern. Genau gegenüber des Forts, auf der „Brestseite“ glänzt der kleine Phare du Miniou im Sonnenlicht. Hier oben, auf Straßenhöhe ist fast der ganze Küstenbereich eine einzige Festungsanlage und man stolpert über die markanten Bauten Vaubans aus dem 17. Jahrhundert, oder es sind die moderneren Betonreste des Atlantikwalls aus dem zweiten Weltkrieg.

Das Fort de Cornouaille

Das Fort de Cornouaille

Im unterirdischen Bereich des Forts

Im unterirdischen Bereich des Forts

Obwohl wir schon Jahre lang hier her reisen haben wir trotzdem für uns etwas Neues entdeckt, das Fort de Cornouaille. Im Gegensatz zum Fort de Capucins gibt es hier einen richtig netten und geraden Parkplatz mit einer prima Aussicht. Ein kleiner steiler Pfad schlängelt sich an der Steilküste zwischen Stechginster, Farnkraut, Brombeergestrüpp und Schlehenbüschen herunter. Mal ganz angenehm auf Stufen, die in den Fels getrieben wurden, mal stolpern wir über unebene Bereiche, um schließlich auf einer grasgrünen Plattform zu landen.  Ganz am Ende führt eine kleine Treppe herunter in die, in den Fels gehauenen, Katakomben. Es waren wohl mal zwei große Geschützstellungen die nur ganz knapp über der Wasseroberfläche liegen. Das ganze Ausmaß der Anlage kann man leider nur von der Seeseite aus bewundern, aber auf der anderen Seite liegt ein Pendant zu dem Fort de Cornouaille, das Fort du Mengant, und so bekommt man eine Vorstellung davon, wie es vom Wasser her aussieht. Es wurde natürlich, wie sollte es auch anders sein, von Vauban erbaut und hat eine stattliche Länge von 250 Metern, liegt aber nur ein paar Meter über dem Meeresspiegel. Ein ganzer Haufen Geschütze haben hier einmal die Hafeneinfahrt von Brest bewacht. Es ist schon irre was die Leute sich damals ausgedacht haben und was sie so gebaut haben.

Blick auf den Militärhafen von Brest

Blick auf den Militärhafen von Brest

Ein paar Kilometer weiter kommen wir dann auch schon zum Ende der Halbinsel Presqu’île de Roscanvel und erreichen den großen, aber leeren Parkplatz. Hier müssen wir uns erst einmal etwas stärken und legen uns zum alltäglichen Mittagsschlaf nieder.  Die warmen Sonnenstrahlen lassen uns nur kurz ruhen und nach einem schönen Kräutertee geht es an das Ende der Spitze des Caps, an den Pointe des Espagnols. Von hier aus haben wir einen grandiosen Blick auf den Hafen von Brest, bis hin zur Erdbeerhalbinsel Plougastel-Daoulas und uns gegenüber dem Phare (Leuchtturm) du Portzic. Es ist kuschelig warm, die Sonne verwöhnt uns und wir genießen den Ausblick.

Fahrschulboote und das Fort du Mengant

Fahrschulboote und das Fort du Mengant

Heute, am Sonntag ist recht wenig Schiffsverkehr in Rade de Brest, aber als ich vor ein paar Tagen mit dem Fahhrad hier war brummte die Schiffsautobahn. Mich verwunderten drei kleine Marineboote die immer große Kreise drehten und ab und an mal kurz aus der Rade heraus gefahren sind um anschließend wieder zurück zu kommen. Anhand der Schiffsnummern fand ich dann heraus das es, ich nenne es mal „Fahrschulboote“, der Marine waren. Meine erste Vermutung das es Patroillefahrten vor der Atom-U-Bootbasis der Île Longue waren, hatten sich damit zerschlagen. Na ja, hätte ja sein können das sich ein fremdes U-Boot zu weit heran wagt.

Der Hafen von Brest und der Phare du Portzic

Der Hafen von Brest und der Phare du Portzic

Die Festungsanlagen hier auf dem Cap sind leider alle durch Sperrgitter verbarikadiert und zu dem unteren Bereich soll man wohl ieber auch nicht. Jedenfalls sagt es das Verbotsschild. Aber was sagen Verbotsschilder in Frankreich schon. 😉
Auf dem Rückweg fahren wir über Le Fret. Von hier aus fährt eine Personenfähre nach Brest, aber leider nur in den Sommermonaten. Weiter geht es über Lanvéoc, Tal ar Groas und Crozon zurück nach Hause, die Sonne geht schon unter und ein traumhafter Sonntag endet.

Am Cap de la Chèvre

Am Cap de la Chèvre

Das Sémaphore und ein Geschützstand der Deutschen

Das Sémaphore und ein Geschützstand der Deutschen

Am Mittwoch brechen wir ein zweites mal auf um das Cap de Chèvre zu besuchen. Da aber Mittwoch ist, besuchen wir als erstes den Wochenmarkt in Crozon und decken uns für eine Woche mit Grünzeugs ein. Von hier aus geht es steil bergab nach Morgat, um anschließend wieder genau so steil aus dem Ort heraus zu kommen. Eine schmale Landstraße führt uns geradewegs gen Süden zum Cap. Ab und an geht mal ein Weg zu von Pinien versteckten Häusern oder kleinen Weilern. In Ménesguen hat unser Freund Jörg ein Ferienhaus und das wollten wir uns natürlich einmal anschauen. Wir suchen eine Möglichkeit zum parken, finden aber nichts auf die schnelle und der Ferienverkehr ist dafür einfach nicht geeignet irgendwo länger an zu halten. Das Cap selber ragt etwa 90 Meter aus dem Meer heraus. Wegen der vielen Besucher sind aber die Wege mit einem kleinen Zaun begrenzt und so sollen die Menschen, auf freiwilliger Basis, auf den Wegen gehalten werden. Irgendwie ist es schade, denn wir kommen so nirgends direkt an die hohen Klippen heran, aber wir respektieren den Uferschutz natürlich! Hier gibt es weiter nichts als einen Parkplatz, Wanderwege, viele Bunker, ein Denkmal der Marineflieger und ein Semaphore (Seeüberwachung) und natürlich Natur, überwiegend Heide. Im Frühjahr ist es ein Traum zur Blütezeit.

Unsere alte Tauchbucht

Unsere alte Tauchbucht

Unser Fazit nach dem herumgereise auf der Halbinsel Crozon ist, das wir den besten Ausgangspunkt hier in Camaret auf dem Campingplatz haben. Die schönsten Ecken, der Pointe de Pen Hir, der Point de Toulinguet und die Anse de Pen Hat (Strand) können wir bequem zu Fuß erreichen. Einen neuen Punkt auf der Presqu’île de Roscanvel habe ich auch schon gefunden, die Îlot du Diable (das Inselchen des Teufels)
Es ist toll, wir kommen schon viele Jahre nach Camaret, entdecken aber immer wieder Neues!

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