Ein Kurztrip nach Tibet

Oselling018

Die Stupa, sie symbolisiert Buddha und den Dharma (Lehre Buddhas)

Es ist kalt heute Morgen, knapp über 3 Grad. Auf meinem Plan steht ein außergewöhnliches Ziel das zu erreichen wohl den ganzen Tag in Anspruch nehmen wird. Die Sonne scheint und ein paar Wolken ziehen friedvoll über den Himmel. Die Luft ist klar und rein und ich wandere wieder zum Rio Guadalfeo hinunter um die zweite Rambla, Barranca Hondo, wieder Richtung Norden zur Straße zu nehmen. Ein Stück an der Straße entlang und dann biegt der Wanderweg zum Cerro Negro ab. Es ist sogar ein richtiger betonierter Weg, der bei der Steigung sonst wohl auch bei jedem Regenguss kaputt waschen würde. Die vereinzelt stehenden Häuser werden mit der Zeit immer weniger aber trotzdem rumpelt ab und an ein Auto runter oder rauf. Ich hatte mir den Weg anders vorgestellt, das hier oben noch so viele Menschen wohnen hätte ich nie gedacht. Irgendwann wechseln sich die Orangen und Zitronenbäume mit den Olivenbäumen ab, die von einem Graben am Wegesrand mit frischem Wasser gespeist werden. Jetzt, nach dem Regen fließt das kostbare Nass noch fröhlich und plätschernd dahin. Die Aussicht ist umwerfend, zuerst überblicke ich Orgiva und Los Tablones die ruhig im Tal schlummern, dann weiter des Weges entschwindet dieser Blick und staunend kann ich den Lauf des Rio Guadalfeos weit weit verfolgen bis er im Nirgendwo verschwindet. Jetzt begleitet mich der Rio Trevelez, der sich etwas weiter mit dem Rio Poqueira vereinigt hat. Die Häuser verschwinden jetzt fast gänzlich und sie scheinen unbewohnt, nur das im verwahrlosten Garten Wäsche aufgehängt ist lässt das Gegenteil erkennen. Eine kleine Kapelle oder Eremita, die der Virgen de Fatima (Jungfrau Vatima) gewidmet ist, taucht vor mir auf und scheint über das Tal und die nahen Berge zu wachen. Es wird jetzt wieder lebendiger, denn die Bebauung nimmt zu und ich komme an einem Steinbruch vorbei aus dem Maschinenlärm dröhnt. Ich erreiche die Straße Orgiva a Trevélez an der schon wieder eine Eremita auftaucht, dieses mal ist sie jedoch keiner Jungfrau, sondern dem Padre Eterno gewidmet. An dieser Wegkreuzung finde ich schon ein Hinweisschild zu meinem Ziel O Sel Ling. Es geht immer weiter steil bergauf und ich erblicke plötzlich am Horizont das Mittelmeer! Solch eine Weitsicht hätte ich mir ja nicht träumen lassen! Ein paar Autos kommen mir entgegen und ein Milchlaster der hier irgendwo Ziegenmilch einsammelt, denn der Weg geht noch viel weiter in die Sierra Nevada hinein. An einer alten Ruine muss ich aber abbiegen und meine letzten 5,5 km brechen an. An der Weggabelung möchte ich eine kleine Pause machen und schwupps habe ich Besuch von einem kleinen Wauwi der um mich herumlungert in der Erwartung etwas zu beißen abzubekommen. Die zwei Stücke meines Apfels vermüffelt er bis auf die Schale. Es ist frisch geworden hier oben auf 1100 Metern Höhe. Mein kleiner Freund begleitet mich ab jetzt und ich frage mich ob ich ihn irgendwie wieder los werden werde. Das Grün der Landschaft schwindet mit jedem Meter, mit jeder Kurve die sich mein Weg weiter heraufschraubt bis nur noch Blattlose Bäume, viele Eichen, und dürres Gestrüpp übrig bleiben. Die Aussicht wird immer grandioser, die schneebedeckten Hänge der Berge scheinen zum greifen nah zu sein und so ist auch mein Gefühl, denn es wird immer kälter und von dem Gebirge bläst der Wind mehr und mehr. Auf dem Weg liegt auch noch ein Geocache, den ich natürlich nicht unberührt lasse. Es ist mein bisher höchstgelegener Cache. Dann schließlich ist mein Ziel auf 1450 Metern erreicht, O Sel Ling, Platz des reinen Lichtes, das buddhistische Zentrum in den Sierra Nevada. Ein Hinweisschild erwartet mich es sagt mir aber auf Grund meiner mangelnden spanisch Kenntnisse absolut nichts. Es ist ein riesiges Gelände und ein Pfad führt mich von einem buddhistischen Dings zum Nächsten. Am Eingang erwartet mich eine riesige Gebetsmühle und ein kleines Stück weiter eine Reihe kleinerer Gebetsmühlen. Schade das das Zentrum erst um 15:30 auf macht, eine unglückliche Zeit, denn dann werde ich bereits auf dem Rückweg sein. Ein Rundweg ist mit Pfeilen gekennzeichnet und führt mich des richtigen Weges. Am schönsten finde ich die Stupa und Tara, die Göttin des Mitgefühls die auf dem höchsten Punkt des Zentrums steht. Wie lange ich dort oben herum wandel weiß ich nicht ich habe die Zeit vergessen. Ich will mich unten bei der großen Gebetsmühle etwas hinsetzen und meditieren aber ich bin schon so durchgefroren das ich mich gleich wieder auf den langen Rückweg begebe. Mein felliger Freund hat sich übrigens aus dem Staub gemacht, wahrscheinlich hat er wieder sein richtiges Zuhause besucht. Vielleicht sehe ich ihn das nächste mal wieder. Es wird jetzt immer kälter und ein paar Schneeflocken verirren sich um mich herum ich glaube ich bin gerade rechtzeitig los gekommen, denn weitere Schneeschauer sehe ich die Berge herab kommen. Meine Finger sind ganz klamm und werden den ganzen Rückweg über auch nicht wieder warm. Um 19:10 komme ich nach knapp 32 km und 1380 m Höhenunterschied wieder auf dem Campingplatz an. Es war ein wundervoller Ausflug und ich wäre gerne länger oben geblieben bei den Gebetsfahnen und den Gebetsmühlen und der endlosen Ruhe.

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