Ein Nachtrag zum Artikel von Gestern: „Alles o.k.? Oder ist es doch nicht so das Gelbe?“

VieilleValette001

Freie Gemeinde?

Eine kleine Geschichte noch zum Thema Ziele.
In dem gestrigen Artikel könnte es vielleicht so rüber kommen das ich nur die Rentner für Ziellos halte. Deshalb eine kleine Geschichte aus dem Jahr 2002. Wir waren mit unserem Wohnmobil in den Cevennen in Frankreich unterwegs. Es ist eine traumhafte Gebirgslandschaft und wir wollten dort einen Freund von Heike besuchen, den sie ein Jahr vorher in Orgiva in Spanien kennengelernt hatte. Angus wohnte in einer ganz bescheidenen Hütte vor dem verfallenen Örtchen mit Namen La Vieille Valette. Angus konnte da wohnen weil er die dort Ansässigen bekochte. Eines Tages, es war wohl so um die Mittagszeit, machten wir einen Spaziergang mit Angus in das Dorf, natürlich mit unserem Hund Paula. Wie es so ist auf dem Lande, kreuzte eine Katze unseren Weg und das war natürlich was für Paula! Beide Tiere gaben Hackengas, die Katze leise vorweg und Paula laut käffend hinterher, um die nächste Mauerecke und dann hörten wir schon menschliches Geblöke, oder besser gesagt Schimpftiraden. Was war passiert? Um die Ecke auf einem Platz war eine Hängematte gespannt in der ein junger Mann seinen nächtlichen Rausch ausschlief und durch das Katzengejammer und das Hundegekläff aufgeschreckt wurde und ganz offensichtlich wohl aus der Hängematte gefallen war. Was ist da denn so schlimm dran mögt ihr fragen? Einen Rausch hat man ja mal. Die Geschichte ist ja auch noch nicht zu Ende, es geht ja noch weiter. Angus, der Starkoch, erzählte dann später mal das das Essen pünktlich um 19:00 Uhr auf dem Tisch stehen musste. Und warum? Na ja, die jungen Leute leben in einer so wundervollen Gegend, die wirklich traumhaft ist und sie müssen sich trotzdem die Birne vollkippen und vollkiffen. Wenn er später servieren würde wären sie zum essen wohl nicht mehr in der Lage. Es ist so schade, denn die hatten wirklich das Potenzial dort etwas zu verändern, wieder aus Ruinen etwas zu machen. Aber wenn sie sich ewig zudröhnen nützt das alles nichts mehr. Hinzu kommt noch das sie ihr Leben noch vor sich haben. Ziele haben sie ja anscheinend, nämlich das verlassene Dorf wieder aufzubauen, aber der Pepp, das „brennen“ für das Ziel ist nicht da.
Wir glauben das eine ganz große Mehrheit der Menschen keine richtigen Ziele haben, oder sie entwickeln keine Leidenschaft dafür. Wie schade, vielleicht würde das die Welt etwas leuchtender machen.

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