Rungholt

Wer kennt nicht die Sage um das untergegangene Rungholt?
Es gibt weltweit viele Sagen um untergegangene Städte, Länder oder auch Kontinente wie Avalon die Apfelinsel auch Nebelinsel oder die Anderswelt, die Stadt Ys des Königs Gradlon die irgendwo in der Bay de Douarnenez in der Bretagne liegen soll oder auch einfach die Sintflut die fast alles Leben ausgelöscht haben soll. In den Sagen ist meist von Verrat, von Völlerei und von Gotteslästerung die Rede, sprich einfach nur vom Übermut der Menschen gegenüber unserer Mutter Erde, unserer Heimat.
Ebenso soll es mit Rungholt geschehen sein und in Detlef von Liliencrons Gedicht „Trutz Blanke Hans“ wird von dem Übermut der Menschen gegenüber der Natur berichtet Indem er schreibt: „Wir trutzen dir, blanker Hans, Nordseeteich!“

Über Rungholt ist sehr wenig überliefert worden und erst Andreas Busch fand in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrunderts die ersten Beweise für die Existenz und der Lage von Rungholt. Heute wird daran nicht mehr gezweifelt.
Ich will hier nicht weiter darauf eingehen denn ich möchte nur meine Eindrücke, Gefühle und meine Bilder zeigen.

Wie kommt man denn eigentlich nach Rungholt hin?
Wichtig zu wissen ist das es nur mit einer geführten und offiziellen Rungholt Wattwanderung möglich ist, denn die Reste befinden sich in der Schutzzone 1 des Nationalparks Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer und das gestattet nur ein Betreten auf bestimmten Routen und mit ausgewiesenen Wattführern. Außerdem wäre es alleine viel zu gefährlich. Nähere Informationen und Termine findet ihr auf der Seite der Gemeinde Nordstrand oder auf der Seite Nordstrand

Die Wanderung dauert 5 Stunden und man wird bei der Rückkehr etwa 14 km auf der „Uhr“ haben. Auf alle Fälle muß man etwas für die Füße dabei haben denn der Weg geht über ausgedehnte Muschelfelder die die aufgeweichten Füße sehr gerne aufschlitzen und das ist da draußen überhaupt nicht lustig.

In Küstennähe ist das Watt zum laufen richtig ideal, fest und nicht glibberig, also ideal um die geschundenen Füße zu massieren. Etwas weiter draußen wechselt sich die Beschaffenheit des Meeresbodens immer wieder ab, man sinkt stellenweise ordentlich ein oder es ist rutschig wie auf einer Eisbahn. Besonders heikel wird es bei den überquerungen der Priele. Hier geht die Wattführerin vor und sucht die beste Stelle zur Querung und die Gruppenmitglieder helfen sich gegenseitig weil man hier wirklich schon recht tief im Schlamm einsinkt.

In der Höhe der Hallig Südfall ist es dann so weit das man die ersten Artefakte aus der Rungholtzeit finden kann.
Klosterformatsteine liegen recht viele im Watt verstreut, Keramikscherben wird man finden und Knochen. Im Boden kann man sehr gut die Entwässerungsgräben erkennen, die sich schnurgerade und parallel durch den Boden ziehen. Diese Gräben wurden damals mit Torf verfüllt und dienten so der Drainage. Diese Gräben würden auch in heutiger Zeit noch funktionieren. Zur Zeit ist auch ein Brunnen aus Soden frei gelegt und sehr schön zu erkennen. Dieser Brunnen war auf einer Warft und auch die Warftränder kann man heute noch sehr gut erkennen.
Das kann sich sehr schnell wieder ändern denn der Wattboden ändert ständig seine Oberfläche und somit sein Aussehen. Es kann also sein das man von dem Brunnen nächstes Jahr nichts mehr sieht und statt dessen findet man vielleicht die Überreste einer der beiden Schleusen (oder besser gesagt Sieltore).

Sehr Bewegend ist das Gebet und die Schweigeminute der Gruppe da draußen im Watt. Dort gedenken wir der Menschen und Tiere die damals ums Leben kamen.

Ich danke an dieser Stelle den Nationalpark Wattführern Cornelia und Jürgen Kost für diese einmalige Veranstaltung.

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