Tomatentour

 

La main vert

La main vert

Wir sind noch in Étel und unsere Tomatenvorräte gehen zur Neige. Da die Tomaten von Gwénola und Yves aus Kernavest die besten sind, stellte sich uns die Frage, ob wir mit dem Wohnmobil hin fahren, oder ich sie mit dem Fahrrad holen soll. Heute Morgen ist es klar gewesen, das wir uns mit dem Dicken nicht von der Stelle bewegen, da der Platz recht voll ist. Also schwinge ich mich auf das Fahrrad und ihr begleitet mich virtuell. 🙂
Von unserem Stellplatz aus beginnt ein Radweg, der direkt durch die Dünen in Richtung Erdeven führt. Es ist ein sehr gut ausgebauter Radweg, der nur vereinzelt weiche versandete Stellen hat. Irgendwie habe ich das Gefühl ich bin an Jütlands Westküste (Dänemark  Nordsee). Die Ruhe ist einmalig und noch ist weit und breit keine Menschenseele unterwegs.
Irgendwann ist der Weg leider zu Ende und es geht auf einer kleinen Küstenstraße weiter, vorbei an einer Skulptur, der Main Vert (die grüne Hand). Hier sollte Mitte der siebziger Jahre ein Kernkraftwerk errichtet werden, dessen Bau aber durch die aufgebrachten Bretonen verhindert wurde (ähnlich wie Plogoff). Weithin ist die grüne Hand in den Dünen zu sehen und warnt uns vor den Gefahren der Kernkraft und ruft uns zum Widerstand auf. Ich entschließe mich ab Erdeven nicht den Radweg zu nehmen, sondern auf dem jetzt geschlossenen Campingplatz und weiter über den Damm, durch den militärischen Spielplatz zu fahren. Den Damm haben wir übrigens den Deutschen in der Zeit des zweiten Weltkrieges zu verdanken. Hier sind überall Bunker, in denen Riesengeschütze die der Verteidigung des U-Boot Stützpunktes in Lorient dienten, in den Dünen verstreut zu finden. Daher stammt auch der wundervolle Beobachtungsturm.
Die Parkplätze ringsum sind alle ziemlich voll und das zeugt von einer guten Welle, denn es können um diese Zeit nur Surfer (Wellenreiter) sein die Unterwegs sind. Sie lassen sich nur von der Dunkelheit abschrecken. Es geht ein kleines Stück auf einer zerfahrenen Betonpiste zwischen Bunkern und Dünen bis an die Hauptstraße die von Plouharnel bis Quiberon führt. Ab hier geht es fast schnurgerade an einem tollen Radweg direkt neben der Straße weiter.
In Penthièvre komme ich endlich wieder an das Meer und genieße die Aussicht die bis Lorient auf der einen und der Côte Sauvage  auf der anderen Seite reicht. Hier ist wieder nichts los und nur eine ältere Dame, die scheints vom schwimmen kommt, kreuzt meinen Weg. Wenn nicht der Verkehr auf der Hauptstraße wäre, würde ich vermuten, das hier noch alle schlafen. Hier stehen schon tolle Häuschen und wenn ich davon eines haben könnte, wäre ich nicht abgeneigt. Aber in anbetracht des fehlenden Großgeldes, scheint mir dieser Traum nicht realisierbar. Anders herum möchte ich auch nicht solch einen Klotz am Bein haben. Also weiter geht es zur „Engen Stelle“. Es ist die schmalste Stelle der Halbinsel, mit so um einhundert Metern Breite. Von oben thront das alte Fort, in dem immer noch die Soldaten getrimmt werden.
Ich habe es bald geschafft und kann die Straße wieder verlassen, denn hier wo es am engsten ist, ist anscheinend kein Platz für einen Radweg.
Ich fahre jetzt parallel zur Straße auf Schleichwegen, teils über Pfade, teils auf kleinen Gassen, immer weiter meinem Ziel entgegen. Ich habe es bald geschafft und muss mich nur noch einmal anstengen, denn es geht steil zum alten Sémaphore de Kerniscob (Beobachtungsturm), der auf einem Hügel steht, hoch. Und etwas später stehe ich auch schon bei unserem Gemüsehöker in Kernavest auf dem Hof. Hier tobt das Leben und sie sind zu Dritt am bedienen. Es ist immer wieder toll bei Gwénola und Yves einzukaufen, es geht dort immer lustig und munter zu und man merkt das sie ihr Gemüse lieben!
Für den Rückweg wähle ich den Radweg an der Côte Sauvage entlang. Es ist zwar weiter, aber die Küste ist einfach zu schön um ihr nicht einen Besuch abgestattet zu haben.
Es geht weiter durch Portivy und ein Stück parallel der Bahnlinie Auray – Quiberon. Und dann muß ich wieder das kleine Stück an der Hauptstraße entlang fahren.
An der „Engen Stelle“ ist plötzlich richtig was los! Anscheinend sind die Kiter aufgewacht und der Himmel ist von ihren Schirmen übersät. Wieder verlasse ich die Straße in Penthièvre und fahre über die beiden Campings Municipal (Gemeindecampings), die aber schon seit Septemper geschlossen sind. Am Camping Sable Blanc endet die Strecke, und ich muß wieder zur Westseite über die Bahnlinie und die Straße rüber und komme so zum „Long Beach“, denn ich will direkt am Strand entlang. Es ist herrlich bei Ebbe über den festen Strand zu düsen. Leider ist es vor Erdeven noch nass aber ich kann das Fahrrad zu Hause ja abspülen.
In Erdeven muss ich den Strand verlassen, da hier  die Felsen bis in das Meer reichen und ab dort nur noch loser Sandstrand bis in das Wasser reicht. Am Strandaufgang sitzen die Menschen und genießen die Mittagssonne, die die Luft auf knapp über zwanzig Grad aufheizt. Jetzt geht es wieder den altbekannten Weg bis nach Étel weiter, teils auf der Küstenpiste teils auf dem Radweg. Die Beute und ich kommen wohlbehalten am Wohnmobil in Étel an und der Tacho hat weitere 50 Kilometer drauf. 🙂

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