Wenn das Ego weit hinauf will

Orgiva40

Orgiva und die Bergdörfer der Sierra Nevada

Ich kann mich zuerst nicht entscheiden welche Wandertour ich nehmen will. Meine Entscheidung fällt, nach verqueren Hirndudeleien, auf „Gegenüber“. Mit „Gegenüber“ meine ich den Blick aus unserer Tür in Richtung Alpujarras auf den Sierra de Lujar. Mit knapp über 1800 m blickt er über Orgiva auf die Sierra Nevada. Ich will einfach mal ausprobieren wie weit ich mit normalem Wandern hinauf komme. Es sieht von hier unten vielversprechend aus denn die Brandschneise und der Weg sind von hier unten aus bis weit oben gut zu erkennen. Ich mache mich früh auf den Weg, denn der Marsch wird wohl den ganzen Tag in Anspruch nehmen. Außer Linda, die mit ihrem Hund schon vom Gassi gehen kommt, treffe ich bis zu Rio Guadalfeo keine Menschenseele die zu Fuß läuft. Ich nehme den Weg am Fluss entlang weil ich keine Lust habe das erste Stück an der Straße zu laufen, auch wenn es etwas weiter ist. Nach den verregneten Tagen führt auch der Rio Seco, der meinen Weg kreuzt, Wasser. Normalerweise liegt er trocken. Es gibt eine Möglichkeit den Rio Guadalfeo nach Los Tablones zu überqueren, sie sieht zwar etwas wackelig aus, scheint aber eine stabile Grundlage zu haben. In Los Tablones sind scheinen nur ein paar Maurer am werkeln zu sein und die Hunde dösen bereits auf dem warmen Asphalt. Es geht hinauf zur Straße und von dort aus direkt auf den Wanderweg der sich zunächst parallel zur Straße immer weiter in die Höhe zieht bis er die Brandschneise erreicht hat. Ich wäre zunächst fast gerdeaus weiter gelaufen, denn dort geht auch ein Pfad weiter. Mein Weg ist aber links die Schneise in die Höhe. Der Weg ist schier endlos und steil und die Aussicht über Orgiva bis zu den Bergdörfern Lanjarón, Cáñar, Carataunas, Soportujar, Bubión und Capileira lässt mich immer wieder anhalten und den Blick in die Ferne schweifen. Die Masten der alten Erzseilbahn tauchen vor mir auf und sie scheinen unendlich traurig zu sein das sie nicht mehr gebraucht werden, nur ab und an verläuft sich ein einsamer Wanderer zu ihnen und träumt mit ihnen den Traum der vergangenen Zeiten. Überall an dem Weg finde ich Reste der Maste und ich nehme mir eine verrostete Stahlscheibe als Andenken mit. Die Erzseilbahn ging ursprünglich von der Mine in 900 m Höhe bis nach Los Tablones und muss irgendwie das große Tal hier zwischen überspannt haben. Es muss eine großartige Gesamtkonstruktion gewesen sein. Eine Ecke weiter oben  geht der Fahrweg in Richtung Barranco de los Castillejos, die Schlucht die weider zur Straße führt ab. Hier treffe ich Wild und ich nehme an das es eine Art Gems sein könnte. Die Vegetation ist nicht sehr üppig, die Kiefern habe ich bereits hinter mir gelassen und mich begleiten kleine Salbeipflanzen, Rosmarin, einige Gräser und Miniminilorbeer, das Ganze sehr oft von Wildschweinen durchwühlt. Ich kämpfe mich immer weiter aufwärts und muss immer wieder anhalten um die Aussicht zu genießen, die sich scheints mit jedem Schritt weiter hoch verändert. Rechts und links geht es steil in die Schluchten hinunter. Der sich zur Mine windende Weg ist schon länger aus dem Sichtfeld entschwunden und auch die Mine selber liegt bereits weiter unten. Auf 1300 m Höhe, wo es für mich nicht weiter geht, wo kein Pfad mehr erkennbar ist und es nur noch mit Klettern weiter geht mache ich meine erste Rast und müffel meinen mitgenommenen Apfel auf während sich meine Augen in der fernen Gebirgslandschaft verlieren. Es ist noch Zeit genug und so beschließe ich bis zu dem ersten Abzweigpunkt zurück zu wandern um dort den Wanderweg zur Schlucht hinunter zu auszuprobieren, denn den Fahrpiste habe ich bereits letztes Jahr ausprobiert. Der Abzewig ist so dicht an unserem zu Hause das ich mit dem Teleobjektiv sehen kann ob bei unserem Wohnmobil die Tür auf steht. Sie ist verschlossen. Der Wanderweg führt wieder in die entgegengesetzte Richtung und sogar bergauf, aber schließlich komme ich in dem Tal „Barranco de los Castillejos“ an und brauche nur noch dem Minenweg bergab zu folgen um wieder auf die Straße nach Orgiva zu treffen. Neun Stunden war ich unterwegs, habe 20 Kilometer und 1200 Höhenmeter genießen dürfen. Es war so toll!

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